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Weser-Kurier: Zur Ebola-Epidemie in Afrika schreibt Hans-Ulrich Brandt:

Bremen (ots) - Sie heißen "Outbreak - Lautlose Killer" oder "28 Tage später" - die Filmindustrie hat das Spiel mit der irrationalen Angst vor Seuchen schon lange als Kassenschlager entdeckt. Aktuellstes Beispiel ist der Film "Contagion" von Oscar-Preisträger Steven Soderbergh, in dem Stars wie Kate Winslet, Gwyneth Paltrow, Matt Damon und Jude Law gegen den Ausbruch einer durch Viren hervorgerufenen tödlichen Krankheit kämpfen. Das Spiel mit der Angst der Zuschauer wird hier auf die Spitze getrieben. Das Resultat: eine berührungs- und sprachlose Gesellschaft. Kontakt verboten, das tödliche Virus lauert überall. Vor der Tatsache der sich seit März ausbreitenden Ebola-Epidemie in Westafrika erhalten solche Hollywood-Blockbuster immer wieder einen realen Hintergrund. Mit jedem neuen Infizierten, mit jedem neuen Toten wächst in Europa die Angst. Geradezu panisch reagierten manche Medien auf die Nachricht, dass mit Nigeria jetzt auch erstmals ein Land betroffen ist, das über eine direkte Flugverbindung nach Deutschland verfügt. Für Hollywood-Autoren eine prima Inspirationsquelle. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Filmtitel "Der Tod sitzt auf Platz 23 C"? Doch bei aller berechtigten Sorge um die inzwischen mehr als 1600 Infizierten, die Ebola-Epidemie ist nicht geeignet, um Katastrophenszenarien herauf zu beschwören. Dazu ist sowohl die Zahl der Betroffenen als auch die Gefahr der Ansteckung zu klein. Mediziner halten deshalb auch eine Ausbreitung von Ebola in Europa für sehr unwahrscheinlich. Wenn dagegen der Präsident von Sierra Leone an seine Landsleute appelliert, beim Kampf gegen Ebola komme es auf jeden Einzelnen an, dann spiegelt das jedoch schon die reale Bedrohungslage wider. Dort gibt es mit weit mehr als 600 Infektionen und fast 280 Toten die bisher meisten Fälle. Entscheidend ist jetzt, dass sich in den betroffenen vier afrikanischen Ländern schnell etwas ändert. Die von der Weltbank bereit gestellte Soforthilfe muss in eine bessere Gesundheitsversorgung investiert werden, in mehr Hygiene, in Aufklärung über die Ursachen der Epidemie. Doch dazu muss das Geld auch dort ankommen, wo es gebraucht wird. In Afrika leider keine Selbstverständlichkeit.

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