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Weser-Kurier: Kommentar von Andreas Kölling zur Konjunkturentwicklung

Bremen (ots) - Der Klimawandel kommt schleichend, aber er kommt. Im Unterschied zum meteorologischen ist der wirtschaftliche sogar amtlich messbar. Die geopolitischen Krisen schlagen jetzt durch, auch wenn in den vergangenen Wochen noch tapfer versucht wurde, deren gefährliches Negativpotenzial herunter zu diskutieren. Die eskalierenden Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten bremsen die Wachstumsdynamik aus. Die nicht absehbaren Folgen verschärfter Sanktionen gegen Moskau verunsichern die deutsche Wirtschaft, die gegenwärtig noch gute Geschäfte mit Russland macht. Seit Anfang der Woche wurden die Warnungen aus der Industrie vor harschen Sanktionen lauter; sogar von der Gefahr einer neuen Finanzkrise war die Rede. Jetzt tatsächlich der dritte Stimmungsdämpfer in Folge. Dann sprechen die Ökonomen von einer Trendwende, auch wenn das Ifo-Institut selbst noch abwiegelt. Machen wir uns nichts vor: Die Exporterwartungen sind deutlich gefallen, auch die Investitionsgüterindustrie erwartet keine großen Impulse, der Großhandel auch nicht. Und im Rest Europas hat das zarte Pflänzchen "Aufschwung" sowieso noch mächtig Mühe, sich zu behaupten. Woher soll dann das Wachstum kommen? Allein aus dem Binnenmarkt? Hierzulande ist die Verbraucherstimmung zwar noch ziemlich ungetrübt, aber das kann und wird nicht unendlich so weitergehen. Dass katastrophale Ereignisse das Verbrauchervertrauen negativ beeinflussen können, zeigt sich aktuell in Südkorea, wo die Binnenkonjunktur nach dem schweren Fährunglück dramatisch zurückgegangen ist. Das ist nur emotional begründbar. Kauflaune braucht Vertrauen. Vertrauen in die Zukunft, in die Sicherheit der Arbeitsplätze und das Einkommen. Die deutschen Unternehmer haben ihr Vertrauen offensichtlich schon verloren. Die Europäische Zentralbank bekommt täglich mehr Argumente, ihren geldpolitischen Kurs beizubehalten. Und am Horizont ziehen bereits die dunklen Wolken der Deflation herauf.

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