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Weser-Kurier: Zum Mindestlohn schreibt Kira Pieper im "Weser-Kurier" (Bremen) vom 20. März 2014:

Bremen (ots) - Ein Mindestlohn von 8,50 Euro für jeden Arbeitnehmer in Deutschland. Das klingt fair. Damit ist die Bundesrepublik das 21. Land von 28 EU-Staaten, das die Untergrenze der Entlohnung gesetzlich festlegt. Und diese Grenze ist auf den ersten Blick üppig bemessen. Denn Deutschland reiht sich mit einem Stundenlohn von 8,50 Euro im Ländervergleich ins obere Drittel ein. Unten auf der Skala liegt Bulgarien mit 95 Cent pro Stunde, gekrönt wird die Tabelle von Luxemburg mit einem Lohn von 11,10 Euro. Allerdings dürfen nicht die nackten Zahlen miteinander verglichen werden. In jedem Land müssen die jeweilige Kaufkraft und die Lebenshaltungskosten berücksichtigt werden. Sind unter diesen Voraussetzungen 8,50 Euro genug Lohn für eine Stunde deutsche Wertarbeit? Tatsächlich ist es fraglich, ob mit diesem Satz die Armut in Deutschland bekämpft werden kann. Denn die meisten Geringverdiener müssten immer noch aufstocken, um überhaupt über die Runden zu kommen. Im Umkehrschluss heißt das auch: Auch mit einem höheren Lohn werden sie nicht mehr Geld in der Tasche haben. Nur der vom Staat aufgestockte Betrag fällt fortan geringer aus. Und vielleicht haben Geringverdiener künftig sogar eine Sorge mehr: Denn Arbeitgeber haben mehr Ausgaben und werden sich überlegen, wie viele Kräfte sie überhaupt halten können. Und die Kette der Flüchtigkeitsfehler des neuen Gesetzes wird noch länger: Wie viel Sinn hat es eigentlich, Jugendliche unter 18 Jahren von der Regelung auszuschließen? Offenbar gehen die Politiker davon aus, dass es in Deutschland viele junge Leute gibt, die in diesem Alter weder zur Schule gehen, noch eine Ausbildung machen. In diesem Fall wäre ein Blick in die Statistiken hilfreich, die etwas anderes offenbaren. Andersherum: Die Jugendlichen, die tatsächlich auch nicht dazu motiviert, einen Ausbildungsvertrag zu unterzeichnen. Da wären andere Fördermethoden sicherlich angebrachter.

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