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Weser-Kurier: Zum Begriffs-Wirrwar in Sachen Ukraine schreibt Daniel Killy im "Weser-Kurier" (Bremen) vom 13. März 2014:

Bremen (ots) - Das Wort "legitim" gilt eigentlich als unmissverständlich. Wenn es aber um die Ukraine geht, gerät unseren Politikern einiges an Logik durcheinander. So gilt die aktuelle Regierung in Kiew dem Westen als legitim, obwohl Interims-Ministerpräsident Arseni Jazenjuk durch einen kalten Staatsstreich ins Amt kam und Präsident Viktor Janukowitsch durch ebensolchen entmachtet wurde. Der Mann, den wir zu Recht für einen Despoten halten, wurde übrigens demokratisch gewählt. Doch dürfen wir, bei aller Sympathie für die ukrainische Entwicklung, demokratische Prozesse für obsolet erklären, nur weil sie uns nicht passen? Und gilt im Umkehrschluss, dass wir Unrecht dulden, nur weil es uns gerade recht kommt? Der Eindruck drängt sich auf, wird doch so getan, als sei die Krim ur-ukrainisch und deren Einwohner auch. Gern wird übersehen, dass es Sowjet-Potentat Chruschtschow war, der seiner ukrainischen Heimat 1954 gönnerhaft die russische Krim zum Geschenk machte. Das geplante Referendum über den Beitritt zu Russland hingegen ist nicht legitim in den Augen von Kanzlerin und US-Präsident. Die Regierungsbeteiligung der rechtsextrem-antisemitischen Svoboda-Partei in Kiew schon. Warum? So viel Messen mit zweierlei Maß hilft weder der Demokratie-Entwicklung in der Ukraine noch bei der Lösung des Krim-Konflikts. Glasklares Artikulieren westlicher Werte bei gleichzeitiger Kompromissbereitschaft wären ein legitimer Lösungsweg.

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