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Weser-Kurier: Über Steuergelder für Olympia-Sportler schreibt Andreas Morbach im "Weser-Kurier" (Bremen)

Bremen (ots) - Am Ende der olympischen Ski- und Rodelsause hüpfte schon wieder der wichtigste Ball der Welt in die weiße Arena. Er fühle sich, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper in der Abenddämmerung der Sotschi-Spiele, wie bei einem Fußballkick, wo man schon 4:0 führt, und beim Abpfiff steht es plötzlich 4:4. So etwas soll schon passiert sein - und so erlebten es nun auch die schwarz-rot-goldenen Wintersportler: Sieben Mal Gold holten sie in den ersten sechs Tagen, in den restlichen zehn Tagen kam nur noch eines hinzu. Die Snowboarderinnen und Biathleten legten zuletzt noch zwei silberne und eine bronzene Plakette ins Medaillennest. Aber gerade der am Ende etwas verschönerte Auftritt der Skijäger wirft die Frage nach der Rolle des Geldes auf. Denn dieser Sportart geht es dank treuer Fernsehzuschauer und entsprechend fließender TV-Kohle besonders gut - ohne dass das DSV-Personal mit Ski und Gewehr seinen Verband deshalb mit Gold überhäuft hätte. Geld allein macht also auch im Sport nicht glücklich - und schon gar nicht zwingend erfolgreich. Der Biathlet Arnd Peiffer gab zu bedenken, dass die Sponsoren ja nicht eben Jubelsprünge veranstalten würden wegen des Dopingfalls Sachenbacher-Stehle. Eine mögliche Vorwarnung auf das, was kommen könnte. Andererseits ist der Hinweis auf zu geringe finanzielle Mittel ja ein beliebter Reflex, sobald hochtrabende Medaillenziele mal wieder verfehlt wurden. So wie jetzt in Sotschi, als zwischen Soll (27 bis 42 Stück Edelmetall) und Haben (19) eine ordentliche Lücke klaffte. Den Gegenentwurf zu dieser Mehr-Geld-bringt-mehr-Erfolg-These bietet Dagmar Freitag, Sportausschussvorsitzende im Bundestag, die soeben mal wieder infrage gestellt hat, dass die Höhe der aufgewendeten Steuermittel ein Garant für sportlichen Erfolg ist. Beispiele für die Richtigkeit dieser Vermutung gibt es genug. Aus nationaler Sicht sind die drei Olympiasiege der in aller Regel studierenden deutschen Hockeyspieler von 2004, 2008 und 2012 die stärksten Argumente dafür, in dieser Diskussion nicht allzu sehr nur aufs Geld zu schielen. Und international bietet sich ein kurzer Blick nach Bulgarien an. Kein anderes Land hat seine Sportler mit einem offeneren Portemonnaie gelockt, 700000 Dollar wären zum Beispiel für einen Olympiasieg geflossen. Und wie viel Medaillen haben die bulgarischen Wintersportler aus Sotschi mitgebracht? Richtig: keine einzige.

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