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Weser-Kurier: Der "Weser-Kurier" (Bremen) kommentiert in seiner Ausgabe vom 10. Februar zu Volksabstimmung in der Schweiz

Bremen (ots) - "Das Boot ist voll" - dieser zynische Slogan bedeutete zu Zeiten der Nazi-Herrschaft für Tausende deutscher Juden den sicheren Tod. Denn dieser Satz stand für eine gnadenlose Leitlinie der Schweizer Politik. Man schickte die Menschen, die in höchster Not in das vermeintlich neutrale Land geflohen waren, wieder zurück. Es war kein Platz in der Eidgenossenschaft für noch mehr "Fremde", das war die Botschaft, die über Leben und Tod entschied. Ganz in dieser unseligen Tradition stand das Referendum gegen "Masseneinwanderung", das die rechtspopulistische SVP angestrengt hatte und das die Schweizer gestern mit 50,3 Prozent der Stimmen angenommen haben. Das bedeutet nicht nur das Ende der 1999 mit der EU vereinbarten Personenfreizügigkeit - und somit für viele deutsche Arbeitnehmer das Aus für die freie Wahl ihres Arbeitsplatzes im Nachbarland. Viel schlimmer ist es, dass sich die selbstempfundene "Wiege der Demokratie" mit dem mühsam demokratisch getarnten Fremdenhass-Votum aus der ohnehin schon brüchigen europäischen Solidargemeinschaft verabschiedet. Wie soll eine zukünftige gemeinsame europäische Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik aussehen, wenn sich im Herzen des Kontinents das kleine helvetische Dorf im Überfremdungswahn abschottet? Nicht das Boot, werte Eidgenossen - das Maß ist voll!

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