Weser-Kurier

Weser-Kurier: Zur geplanten Stromtrasse schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausgabe vom 6. Februar 2014:

Bremen (ots) - Das Projekt ist gewaltig: Eine Distanz von 800 Kilometern muss überwunden werden. Mit Strommasten - das wäre die eindeutig hässlichere, aber billigere Variante. Theoretisch könnten auch Erdkabel verlegt werden, die Kosten würden gigantisch sein. Und auch gegen Erdkabel formieren sich Bürgerinitiativen, wegen Elektrosmogs, beispielsweise in Göttingen. Also fände nur eine Variante die Akzeptanz aller: die Quadratur-des-Kreises-Trasse. Nicht ober- und nicht unterirdisch, aber leit- und leistungsfähig, sicher und nicht zu teuer, gebaut ohne Lärmbelästigung, Umleitungen und ohne der Natur einen Halm zu krümmen. Nun kann man in Verden und in allen anderen Orten, wo Landschaft verstellt, zerschnitten und auch zerstört wird, wahrlich nicht begeistert sein von den Trassenplänen. Strommasten sind vor allem auf schicken Schwarz-Weiß-Fotos schön. In Bayern, wo eine weitere Höchstspannungsleitung von Oberfranken nach Schwaben führen soll, hat sich bereits heftiger Protest formiert. Das wird in Niedersachsen nicht anders sein, das ist auch das gute Recht der Betroffenen. Nur wie soll das Zukunftsprojekt Energiewende gestemmt werden, wenn jedes Einzelinteresse gleichrangig berücksichtigt werden soll? Mit der geplanten Stromtrasse wiederholt sich, was so gut wie bei jedem neuen Windpark geschehen ist: Windkraft, ja, aber nicht bei uns. Nicht im Allgäu und nicht im Erzgebirge, nicht in Thransheide und nicht in Kleinbüllesheim, auch nicht in der Nordsee. Doch wer Wind- statt Atomstrom will, muss ihn transportieren. Die Bundesrepublik bietet für eine Nord-Süd-Verbindung keine Variante, die jede Gemeinde verschonen könnte. Und außen rum sozusagen geht nun mal nicht. Irgendwer muss für die Energiewende mehr in Kauf nehmen als andere. Wie die Anwohner von Bahnstrecken, Autobahnen und Flughäfen es auch müssen. Das ist ungerecht, aber unabänderlich. Für die Energiewende werden womöglich die Verdener einen hohen Preis zahlen müssen. Aber einen deutlich höheren Preis haben immer noch die Bewohner von Fukushima gezahlt.

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