Weser-Kurier: Zum Pferdefleisch-Skandal schreibt der Bremer WESER-KURIER:

Bremen (ots) - Fleischesser wurden auch bisher schon belogen und betrogen: BSE-verseuchtes Rindfleisch, mit Antibiotika belastetes Geflügel, als frisch deklariertes Gammelfleisch - Skandale aus vergangenen Jahren, die bei den Konsumenten regelmäßig für Alarmstimmung sorgten. Und jetzt noch Pferdefleisch, das ahnungslosen Käufern, die zur Fertiglasagne griffen, als Rindfleisch untergeschoben wurde. Anders als bei den früheren Lebensmittelaffären sind gesundheitliche Schäden in diesem Fall nicht zu befürchten - nach Meinung von Experten ist Pferdefleisch oft sogar gesünder als das von Schwein oder Pute. Doch ob sie Pute oder Pferd essen, sollten die Verbraucher schon selbst entscheiden dürfen. Das funktioniert aber nur, wenn sie sich darauf verlassen können, dass in den Produkten auch das drin ist, was außen auf der Verpackung steht. Aber das ist offenbar häufig nicht der Fall. Das belegen die vielen Kundenbeschwerden beim Verbraucherportal lebensmittelklarheit.de. Da melden sich reihenweise Verbraucher, weil sie der Meinung sind, dass Verpackung und Packungsangaben Eigenschaften und Inhalte vorgaukeln, die das Produkt gar nicht hat. Seit Bestehen der Internet-Seite sind dort bereits mehr als 10000 Beschwerden eingegangen. Auch beim Pferdefleisch-Skandal handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Fall von systematischer Verbrauchertäuschung. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern kriminell. Wenn Betriebe größeren Profit machen wollen, indem sie teures Rindfleisch durch billigeres Pferdefleisch ersetzen, gehören sie bestraft. Vor allem aber müssen solche Betrügereien schon im Vorfeld verhindert werden. Zum Beispiel durch schärfere Kontrollen. Und es sollte in jedem Falle alles deklariert werden müssen, was im Produkt enthalten ist. Beim Verkauf von Rindfleisch ist wegen der Angst vor Rinderwahnsinn EU-weit schon seit Längerem die Angabe des Herkunftslandes vorgeschrieben. Bei Fertiggerichten dagegen hat es den Konsumenten bislang egal zu sein, woher das Fleisch stammt. Diese Logik muss einem erst mal jemand erklären. Klar ist aber: Je weiter die Wege, die Nahrungsmittel vom Erzeuger über den Verarbeiter und Verpacker bis hin zum Käufer zurücklegen, umso komplizierter wird es für Kontrolleure, den Wahrheitsgehalt von Herkunftsbezeichnungen zu überprüfen. Und Konsumenten können ohnehin nur glauben, was auf den Verpackungen steht. Wer als Verbraucher Risiken und Nebenwirkungen beim Lebensmittelkauf so weit wie möglich ausschließen will, sollte besser regionale Produkte kaufen und selber kochen. Dafür gibt es dann das gute Gefühl, dass man weiß, was man isst.

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