Weser-Kurier

Weser-Kurier: Zum Thema Fachkräftemangel und Ausbildung schreibt der "Weser-Kurier" in seiner Ausgabe vom 13. Juli 2012:

Bremen (ots) - Dass Deutschland den derzeit bedauernswerten Spaniern dabei hilft, deren mangelhaftes Berufsbildungssystem zu verbessern - ausgezeichnet! Das ist gerade in diesen aus den Fugen geratenen Zeiten der europäischen Gemeinschaftsidee ein gutes Signal. Dass Bildungsministerin Annette Schavan aber gleich vorschlagen muss, junge Iberer mehr als 2000 Kilometer Richtung Nordeuropa zu schicken, um ihnen in Deutschland eine Ausbildung zu ermöglichen - nun ja. Mit dem Vorschlag verhält es sich wie mit so vielem, was in der immer hektischer tickenden Medienrepublik täglich so an angeblich tollen Ideen produziert werden: Ihnen allen mangelt es an Realitätsbezug. Klar: Es werden sich gewiss mutige oder ausreichend verzweifelte Iberer zwischen 16 und 18 Jahren finden, die sogar nach Deutschland gehen würden, um Kaufmann, Systemtechniker oder Tischler zu lernen. Aber damit wird weder Spanien gerettet werden - und schon gleich gar nicht löst man damit das Fachkräfte-Problem. In Wahrheit ist es so, dass sowohl Politik als auch Wirtschaft den absehbaren Fachkräfte-Mangel lange Zeit einfach nicht ernst genug genommen haben. Es waren ja genug junge Menschen da, die sich um freie Stellen gebalgt haben. Jetzt aber, wo sich zwei Probleme überlagern, bricht plötzlich Hektik aus. Problem Nummer 1: Es kommen weniger Kinder zur Welt. Deshalb gibt es auch weniger Schulabgänger, die eine Lehre anstreben. Problem Nummer 2: Die jungen Leute bringen immer weniger die Fähigkeiten mit, die Unternehmen als notwendig ansehen. Kurzum: Es gibt weniger Bewerber, die vielen Firmen auch noch zu schlecht ausgebildet sind. Der Ausweg besteht darin, massiv in Ausbildung und Bildung zu investieren. Dass die Wirtschaft das verstanden hat, beweisen die deutlich gestiegenen Zahlen an neuen Ausbildungsplätzen. Firmenchefs, vor allem im Mittelstand, haben verinnerlicht, dass sie sich ihre Fachkräfte selber heranbilden müssen. Gegen den einen oder anderen Spanier hat dabei gewiss niemand etwas einzuwenden - doch den Eindruck zu erwecken, das Fachkräfte-Problem wäre vor allem mit dem Zuzug von Ausländern zu lösen, ist wenig hilfreich.

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