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Börsen-Zeitung: Dollarzeichen in den Augen, Kommentar zu Cyberversicherungen von Antje Kullrich

Frankfurt (ots) - Werden Cyberversicherungen ein Massenmarkt? In der Assekuranz wie auch bei Beratern herrscht zunehmend Goldgräberstimmung. Es zeichnet sich ab, dass der Markt in naher Zukunft so richtig in Schwung kommt. Die spektakulären Hackerangriffe auf prominente Großkonzerne in der jüngsten Zeit sind so etwas wie kostenlose Produktwerbung für die Versicherer.

In Industrie und Mittelstand dürfte Cyberschutz bald zu einer gängigen Deckung werden und die Palette von Standard-Versicherungen für Unternehmen erweitern. International agierende Versicherer sind in dem Markt aktiv, basteln individualisierte Lösungen und haben angesichts eines US-Cyber-Marktes, der dem in Europa um Jahre voraus ist, schon einiges an Erfahrung gesammelt.

Doch was ist mit Privatkunden? Nur mit Marktdurchdringung hier winkt tatsächlich das große Geschäft. Dieses ist für Versicherer zugleich hochattraktiv und gefährlich. Wer es richtig anpackt, kann als kompetenter Schutzengel im Alltag das leicht ramponierte Image der Branche aufpeppen: Aktuelle Warnungen vor den neuesten Trojanern und anderen Hackertricks gepaart mit schneller Hilfe im Schadenfall, wenn die eigenen Daten plötzlich gesperrt sind oder die Software verrückt spielt. Cyberversicherungen bieten die Chance auf häufigen Kundenkontakt, ein lang gehegter Wunsch der Branche.

Doch das Geschäft dürfte gleichzeitig äußerst schwierig sein: In keinem anderen Versicherungszweig ist die Datenlage so dünn, ist die Schadenhistorie so kurz und das Veränderungstempo so hoch. Technisch wird die Welt in ein paar Jahren schon wieder ganz anders aussehen, wenn internetfähige Haushaltsgeräte, Autos und sonstige Alltagsgegenstände sich durchgesetzt haben. Die Versicherungsmathematiker stellt das vor erhebliche Probleme in der Kalkulation von möglichen Schäden und auskömmlichen Versicherungspreisen.

Wer Cyberversicherungen anbieten will, auf einen Milliardenmarkt hofft und auf Dauer eine relevante Rolle darin spielen will, muss spätestens jetzt kräftig anfangen zu investieren. Im Privatkundengeschäft tummeln sich in der Schadenversicherung in Deutschland haufenweise kleinere Adressen, denen das neben anderen Digitalisierungsanforderungen nicht leicht fallen dürfte. Die Attraktivität des Geschäfts in Sachen Kundenkontakt könnte jedoch manchen dazu verleiten, auch mit halbgaren Produkten auf den Markt zu kommen - und dann mit ausufernden Schadenquoten auf die Nase zu fallen.

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