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Börsen-Zeitung: Schmerzlicher Abschied, Kommentar zum Oetker-Konzern von Carsten Steevens

Frankfurt (ots) - Der Oetker-Konzern zieht sich nach acht Jahrzehnten aus der Schifffahrt zurück. Der geplante Verkauf der Containerreederei Hamburg Süd an den dänischen Weltmarktführer Maersk Line stellt eine Zäsur dar für das Bielefelder Familienunternehmen, das sich nun von fast der Hälfte seiner Umsatzerlöse trennt. Mit Hamburg Süd gibt Oetker eine der besten Marken in der Schifffahrt auf. Es lässt sich nachvollziehen, wenn dieser Abschied in Ostwestfalen nicht leicht fällt.

Die Familie beugt sich einem desaströsen Wettbewerb. Der Verkauf von Hamburg Süd verfestigt zugleich die zunehmende Oligopolstruktur in der Containerschifffahrt. Bereits mit der geplanten Übernahme des Branchenzehnten UASC aus Dubai durch die größte deutsche Reederei Hapag-Lloyd werden in Kürze mehr als die Hälfte der weltweiten Stellplatzkapazitäten auf die fünf führenden Linienschifffahrtsgesellschaften entfallen. Die Wettbewerbshüter nicht zuletzt in Südamerika werden die Übernahme der Oetker-Reederei, die zu den Führenden auf den Nord-Süd-Routen gehört, genau prüfen.

Die Überkapazitäten und der ruinöse Preiskampf haben die Bereinigung in der Containerschifffahrt in diesem Jahr beschleunigt. Mit der südkoreanischen Hanjin ging die einstige Nummer 7 der Branche gar in die Insolvenz. Weltweit suchen die Reedereien ihr Heil immer mehr in Übernahmen und Zusammenschlüssen, um ihre Ergebnisse zu verbessern.

Um in diesem Größenwettlauf mitzuhalten, hätte der Oetker-Konzern als Konsolidierer mehr Kapital aufbringen müssen. Dazu war er nicht mehr bereit. Trug der Streit innerhalb der Familie 2013 noch zum Scheitern eines Zusammenschlusses mit Hapag-Lloyd bei, so führte der desaströse Ergebnistrend in der Schifffahrt nun offenbar zu einer gemeinsamen Bewertung: Mit einer baldigen Entspannung der Ertragslage in der Branche, mit einer Trendwende bei den Frachtraten, ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

Maersk Line, in den vergangene zwei Jahrzehnten durch Übernahmen von Sealand (USA) sowie Smit-Wijsmüller und Royal P&O Nedloyd (beide Niederlande) stark gewachsen, baut die Marktführerschaft aus und feiert die Übernahme von Hamburg Süd als Meilenstein. Die Reederei, die zwei Verlustquartale in Folge hinter sich hat, wird von Synergien profitieren. Doch löst auch diese Akquisition nicht das Problem der Überkapazitäten in der Schifffahrt. Dafür müssten große Frachtkapazitäten vom Markt verschwinden. Auf diese Einsicht wartet man nicht nur in der Branche der Containerreeder schon seit langem.

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