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Börsen-Zeitung: Türöffner Saudi-Arabien, Kommentar zum Anleihemarkt von Kai Johanssen

Frankfurt (ots) - So langsam kann man sich schon die Frage stellen, wann das Rekordfieber an den Bondmärkten rund um den Globus vielleicht mal ein wenig abklingt, oder ob das noch lange so weitergeht. In diesem Jahr vergeht ja kaum eine Woche, in der nicht irgendwo in Sachen Zins & Co. ein neuer Meilenstein gesetzt wird.

Da sind zunächst einmal die immer weiter ins Bodenlose abstürzenden Renditen in den diversen Anleihesegmenten, die den Emittenten eine Verschuldung entlang der Kurve zu geradezu lachhaft niedrigen Zinsen oder sogar zu negativen Sätzen ermöglichen. Andauernd lässt sich hier ein neues historisches Tief vermelden, und mancher Akteur reibt sich verwundert die Augen, wie tief ins Negative die Zinsen doch fallen können. Dann gibt es ehemalige Pleiteländer wie Irland - dem vor wenigen Jahren niemand mehr auch nur ein paar Cent leihen wollte und die vor dem Kollaps gerettet werden mussten -, die heute tatsächlich 100-jährige Anleihe emittieren können und dabei Zinsen zahlen, die Otto Normalverbraucher vor ein paar Jahren noch auf seinem Sparbuch sah. Des Weiteren kommen Staaten außerhalb des Euroraums - wie in dieser Woche Polen - und feiern mit sehr langen und ultralangen Laufzeiten ihre Anleihe-Debüts im Euro.

Und Saudi-Arabien setzt gleich beim Debüt mit dem größten Bond-Deals eines Schwellenlandes noch einen oben drauf, womit der ebenfalls in diesem Jahr aufgestellte Rekord Argentiniens in den Schatten gestellt wird. Mit 17,5 Mrd. Dollar Bond-Volumen wird der Argentinien-Deal um 1 Mrd. Dollar übertroffen; bei der Nachfrage lagen die Saudis mit 67 Mrd. Dollar nur 2 Mrd. Dollar unter dem Order- Volumen Argentiniens.

Der seit Monaten erwartete Deal Saudi-Arabiens ist wegweisend für eine bestimmte Schar von Emissionsadressen. Der gesamte Club der Ölstaaten des Mittleren Ostens wird ihn genau verfolgt haben, und sie werden feststellen: Saudi-Arabien hat für diese Länder den Türöffner gespielt, und die Saudis haben die Tür mit dieser Rekordtransaktion und dem immensen Ordervolumen für weitere Emissionen sehr weit aufgestoßen. Man darf gespannt sein, wer als nächstes kommt. Denn Bedarf haben viele Adressen aufgrund der Haushaltslöcher, die der Ölpreis aufgerissen hat. Eine Zeit lang werden sie wohl jetzt erst mal im Dollar auftreten. Aber dabei wird es nicht bleiben. Danach werden sie auch den Bondmarkt im Euro testen. Dafür werden ihnen die Konditionen schlichtweg zu attraktiv sein. Bleibt nur die Frage, ob Saudi-Arabien auch in der Gemeinschaftswährung den Türöffner spielen wird. Denkbar ist das allemal.

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