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Börsen-Zeitung: Unruhige Zeiten, Kommentar zu Airbus von Stefan Kroneck

Frankfurt (ots) - Obwohl Airbus einen Medienbericht über weitere Sparmaßnahmen im Unternehmen relativierte, hatte die Börse ihr Urteil längst gefällt. Die Airbus-Aktie gewann kurzweilig 1%, als sich die Nachricht verbreitete, dass der europäische Luftfahrtkonzern abermalige Einschnitte vorbereitet. Obgleich Konzernchef Tom Enders noch gar keine Details bekannt gegeben hat, geschweige denn ein Zeitplan feststeht, überzeugte offensichtlich die Anleger allein die Meldung, dass beim Boeing-Rivalen etwas ansteht.

Nach dem Medienbericht hielt es der Flugzeugbauer aus Toulouse jedenfalls für angebracht, eine bereits angedeutete Sparmaßnahme (Digitalisierung) zum Abbau von Doppelstrukturen nochmals zu betonen.

Inmitten widersprüchlicher Angaben wirkt das aber wie ein Eingeständnis der Konzernführung, dass trotz zuvor mehrerer Einschnitte bei Airbus hinsichtlich der Kosteneffizienz immer noch ein erheblicher Nachholbedarf besteht.

Beseitigung von Doppelfunktionen? Nach einer Serie von Umstrukturierungen und Neuaufstellungen musste man annehmen, dass dieses Thema abgearbeitet ist. Zu erinnern ist an die Restrukturierung nach dem A380-Auslieferungsdesaster im Jahr 2006, an den umfangreichen Konzernumbau nach der gescheiterten Fusion mit BAE Systems (2013) und an den Stellenabbau im Rüstungssektor (2014) infolge der Budgetstreichungen in den Auftraggeberländern. Trotz dieser Maßnahmen gibt es wohl noch eine Reihe Überschneidungen vor allem zwischen der börsennotierten Muttergesellschaft und dem zivilen Flugzeuggeschäft, der größten operativen Konzernsparte. Unter diesem Blickwinkel könnten also Arbeitsplätze bei dem gut 137000 Mitarbeiter umfassenden Konzern zur Disposition stehen. Sollte dies der Fall sein, würde Airbus seinem US-Wettbewerber folgen, der im Frühjahr ankündigte, im Bereich Commercial Aircraft rund 4000 Stellen zu streichen.

Bei Airbus nagen Mehrkosten für das in Serie gegangene Langstreckenflugzeug A350 und für den Militärtransportflieger A400M an der Marge und an der Liquidität. Hinzu kommen Verluste für Produktionskürzungen beim Großraumflieger A380. Diese Lücke lässt sich teilweise mit Kapazitätsumschichtungen in der Fertigung beseitigen, muss doch Airbus insgesamt einen Berg an Neuaufträgen abarbeiten.

Die Baustellen binden aber viel Kapital - Mittel, die für andere Projekte fehlen. Solange diese Situation andauert, bleibt die Unruhe bei Airbus bestehen.

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