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Börsen-Zeitung: Kehraus, Kommentar zur HSBC von Andreas Hippin

Frankfurt (ots) - Douglas Flint will den Aktionären in guter Erinnerung bleiben, wenn er im kommenden Jahr sein Amt als Chairman der britischen Großbank HSBC niederlegt. Dazu passt die Ankündigung, noch in diesem Jahr für bis zu 2,5 Mrd. Dollar Aktien zurückzukaufen. Das Ziel, die Dividende ständig zu steigern, wurde zwar begraben, aber das Institut will seine Ausschüttungen an die Anteilseigner zumindest auf absehbare Zeit stabil halten. Die Aktionäre vieler Rivalen würden sich freuen, wenn sie noch derart bedacht würden.

Mit guten Geschäften hat die Großzügigkeit den Anlegern gegenüber aber nichts zu tun. HSBC hat den Zeitplan dafür, die Eigenkapitalrendite auf mehr als 10% zu steigern, zu den Akten gelegt. Angesichts einer schrumpfenden Nettozinsmarge, eines sich verschlechternden Kredit-Einlagen-Verhältnisses und der hohen Kosten, die sich aus zahllosen Rechtsstreitigkeiten ergeben könnten, ist das auch besser so. Nicht umsonst merkte ein Analyst an, dass sich der Abschnitt des Halbjahresberichts zu rechtlichen Risiken so lese wie eine nur unwesentlich gekürzte Version von Tolstois "Krieg und Frieden".

Was nun per Rückkauf an die Anleger ausgekehrt wird, ist ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf von HSBC Bank Brazil. Mit dem Rest könnte die Dividende fürs Erste durchaus stabil gehalten werden, auch wenn das laufende Geschäft keine Ausschüttung in dieser Höhe hergeben würde. Man kann sein Brasiliengeschäft aber nur einmal verkaufen. Zudem spielte der Abschied vom Zuckerhut einen erheblichen Veräußerungsverlust ein.

Wenn nun von möglichen weiteren Aktienrückkäufen im kommenden Jahr die Rede ist, geht es um Erlöse aus dem Verkauf des US-Kreditkartengeschäfts an Capital One und der Veräußerung von Filialen im Bundesstaat New York an First Niagara, die nach vielen Jahren an die Holding durchgeleitet werden könnten - immer vorausgesetzt, die Aufsichtsbehörden stimmen zu. Weitere Rückkäufe wären unter den gegebenen Umständen vernünftig. Schließlich hat es das Management nicht vermocht, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das Geld stattdessen gewinnbringend investiert werden könnte. Nachdem im Auftaktquartal Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung in der Volksrepublik China die Stimmung an den Finanzmärkten dominierten, wollte man die Visionen vom Wachstum im Perlflussdelta wohl nicht wieder aus der Schublade holen.

Solange die Musik spielt, soll man tanzen, lautet eine alte Bankerweisheit. Doch der Kehraus kommt bestimmt.

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