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Börsen-Zeitung: Die chinesische Mauer, Kommentar zu Uber von Sebastian Schmid

Frankfurt (ots) - Wenige Tage nachdem in China Regulierungspläne für das wachsende Geschäft der privaten Fahrdienstvermittler vorgestellt wurden, gibt sich der weltweit größte Anbieter in dem Markt geschlagen. Uber China wird in den größten Rivalen Didi Chuxing eingebracht. Travis Kalanick, Gründer und CEO der mit 68 Mrd. Dollar bewerteten Uber, erhält einen Sitz im Didi-Board, sein Unternehmen und dessen Investoren eine Beteiligung von einem Fünftel. Uber hat damit die Reißleine gezogen, ehe der kostspielige Wettbewerb im Reich der Mitte noch mehr Reserven verschlingt. Für Kalanick, der Didi Mitte 2014 kaufen wollte und damals versprach, er werde China erobern, ist es eine Demütigung.

Der Vorgang macht zwei Probleme deutlich - eines davon trifft US-Technologiefirmen insgesamt, und eines gilt speziell für Uber und die Fahrdienstleisterbranche. Das erste Problem ist der chinesische Markt, der für westliche Technologiefirmen fast nie dauerhaften Erfolg bereithält. Amazon, Ebay, Google, Microsoft, HP, Facebook, Twitter, Yahoo und nun auch Uber - die Liste der amerikanischen Weltstars, die an der chinesischen Mauer abgeprallt sind, ist lang. Die Probleme sind dabei nur zum Teil auf kulturelle Differenzen oder Missmanagement zurückzuführen. Selbst höchst erfolgreiche Firmen kollidieren früher oder später mit den Aufsichtsbehörden. Jüngstes Beispiel ist Apple, die im April gezwungen wurde, ihr Online-, Buch- und Videoangebot im Reich der Mitte einzustellen.

Allerdings scheint auch ein generelles Problem bei den Fahrdiensten selbst zu bestehen: Bislang haben sie trotz wachsender Beliebtheit bei den Anwendern keinen Weg gefunden, Geld zu verdienen. Der Preiskampf ist nicht nur in China intensiv. Im Heimatmarkt USA wird Uber etwa von Lyft und Juno Konkurrenz gemacht. Das Hauptproblem ist, dass der Wettbewerb sowohl um Kunden als auch um Fahrer ausgetragen wird.

Die ursprüngliche Stärke des Geschäftsmodells, dass die Fahrer als Selbständige einen hohen Anteil der Kosten tragen, erweist sich als eine Schwäche. In New York sind viele Uber-Fahrer mit drei Smartphones unterwegs. Auf jedem laufen die Fahrtanfragen eines anderen Anbieters ein. Die Fahrer wählen das für sie lukrativste Angebot, während auch die Kunden möglichst wenig zahlen wollen. Zwischengeschaltet sind die Fahrdienstleister, deren Marge in die Mangel genommen wird. Eine Quasimonopolisierung wie nun in China kann das Problem zwar lösen. Allerdings dürfte diese Option bei den meisten Wettbewerbshütern kaum Chancen haben. China ist eben auch hier ein Sonderfall.

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