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Börsen-Zeitung: Peinliche Image-Delle, Kommentar zur geplanten Fusion von Deutscher und Londoner Börse von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Über das Wochenende oder kurz davor muss sich bei den Verantwortlichen der Deutschen Börse erhebliche Nervosität eingestellt haben. Nur so lässt es sich erklären, dass die Schwelle für die Annahmefrist des Börsenfusions-Tauschangebotes einen Tag vor dem Ende der Annahmefrist von 75 auf 60 Prozent gesenkt und die Frist um zwei Wochen bis zum 26. Juli verlängert wurde. Das Management der Börse hat eindeutig befürchtet, dass die geplante Fusion mit der London Stock Exchange dadurch platzen könnte, dass die Mindestannahmeschwelle knapp verpasst wird.

Allerdings haben institutionelle Aktionäre des Unternehmens, die die entscheidende Rolle spielen, klar signalisiert, dass sie die Fusion befürworten. So hat erst in der zurückliegenden Woche die britische Jupiter erklärt, dass ihr die Frage des Sitzes der neuen Superbörse nicht besonders wichtig ist und sie das Tauschangebot annehmen wird.

Die noch niedrigen Annahmewerte sind per se auch nicht beunruhigend. Sie haben zudem begonnen stark anzuziehen, von 6,15 Prozent am Mittwoch auf rund 25 Prozent am Freitag. Es ist völlig normal, dass institutionelle Aktionäre ein Angebot erst auf den letzten Drücker annehmen. Auch bei dem dann letztlich am Einspruch der EU-Wettbewerbshüter gescheiterten Versuch der Deutschen Börse, mit der Nyse Euronext zu fusionieren, warteten Anteilseigner bis kurz vor Toresschluss mit der Annahme.

Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied zu damals. Zwar galten die Beschränkungen für Indexfonds, was die Annahme von Tauschangeboten betrifft, auch vor fünf Jahren. Seither hat der Indexfondsmarkt jedoch seinen Boom fortgesetzt. Dadurch sind auch automatisch die Anteile an der Deutschen Börse, die diese Fonds halten, mit 15 Prozent mittlerweile deutlich höher. Es wurde also in der Führungsetage des Unternehmens befürchtet, dass die Tatsache, dass diese Fonds das Angebot erst nach Erreichen der Annahmeschwelle ebenfalls annehmen dürfen, zum Verfehlen der Schwelle führen könnte. Die Maßnahme der Deutschen Börse ist daher durchaus nachvollziehbar.

Nicht nachvollziehbar ist allerdings, warum sie erst jetzt ganz kurz vor dem Fristende erfolgt ist. Schließlich sind weder der Boom der Indexfonds noch deren Anteile und auch nicht ihre Regularien so streng gehütete Geheimnisse, dass die Beteiligten keine Chance gehabt hätten, dies zu wissen. Ganz im Gegenteil. Somit kann durch die Maßnahme nicht nur der Eindruck von Panik, sondern auch von mangelnder Professionalität entstehen.

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