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Börsen-Zeitung: Für jeden etwas, Kommentar zu VW von Peter Olsen

Frankfurt (ots) - Zunächst einmal bleibt eines festzuhalten: Der Wolfsburger VW-Konzern macht wieder Gewinn. Selbst die chronisch ertragsschwache Kernmarke Volkswagen Pkw kann für das erste Quartal einen wenn auch kümmerlichen operativen Ertrag von 0,3 Prozent des Umsatzes vorweisen. Und der Ausblick für das - laut Vorstandschef Matthias Müller - Übergangsjahr 2016 bleibt unverändert. Der Konzernumsatz dürfte dieses Jahr um bis zu 5 Prozent sinken, das operative Ergebnis des Konzerns zwischen 5 und 6 Prozent erreichen.

So weit, so gut. Aber die Details des Zahlenwerks für Januar bis März bieten für Optimisten wie für Pessimisten reichlich Stoff für Spekulationen. Entsprechend volatil reagierte die Aktie am Dienstag auch auf den Quartalsbericht. Zeitweise ging die Vorzugsaktie um fast 5 Prozent nach unten, um zwischenzeitlich immer wieder nach oben zu lugen.

Die von dem Dieselskandal besonders betroffene Kernmarke setzte im ersten Quartal mit knapp 1,5 Millionen Fahrzeugen 1,3 Prozent weniger ab als in der gleichen Vorjahreszeit. Aber wie ist dieser Rückgang zu bewerten, wenn man berücksichtigt, dass in den USA keine Dieselfahrzeuge mehr verkauft werden, die Flottenmanager auch in Europa vorübergehend Neubestellungen aufschoben und zudem ein wichtiger Absatzmarkt wie Brasilien noch tiefer ins Minus rutscht? Der Bestelleingang soll sich im Übrigen erholt haben, auch mit Rabatten sei man wieder weniger großzügig als Ende 2015. Mit Blick auf das Gesamtjahr bleibt es spannend, wie Wolfsburg die Balance zwischen Stückzahl (=Marktanteil) und Marge steuert.

Auf ertragsstarke Sparten wie Audi, Porsche und Finanzdienstleistungen kann sich der Konzern verlassen. Selbst die ewig verlustreiche spanische Marke Seat krabbelt in der Marge an Volkswagen Pkw vorbei. Aber nicht wenige Investoren dürfte nachdenklich stimmen, dass die Gewinne aus dem wichtigsten Markt China nicht mehr so sprudeln wie gewohnt. Der operative Gewinnbeitrag aus dem Reich der Mitte brach um ein Viertel auf 1,2 Mrd. Euro ein. Lange erwartet, jetzt bittere Tatsache: Überrenditen sind in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt wie China nicht mehr zu erzielen.

Insgesamt bietet der Wolfsburger Konzern im Moment ein gemischtes Bild. Für jeden etwas also. Optimisten wetten schon darauf, dass die nächsten Quartale eher besser werden. Andere werden aber erst den 21. Juni abwarten wollen, wenn der kalifornische Richter Charles Breyer entscheidet, ob ihm die von VW und den Behörden gefundene Dieselgate-Regulierung schmeckt.

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