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Börsen-Zeitung: Den Kunden beißen die Hunde, Kommentar zu den Sparkassen von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) - Danke, EZB! Als Sparer bekommt man wegen der von den Euro-Hütern vorgegebenen Null- und Negativzinsen zumeist keinen Ertrag mehr; gewerbliche Einleger mit größeren Beträgen werden sogar auch von Sparkassen immer öfter zur Kasse gebeten. "Verwahrgebühren" heißt das bei den Öffentlich-Rechtlichen, die ihren Kunden nun die zweite Rate auf die von der Zentralbank ausgestellte Rechnung abverlangen wollen: "verursachungsgerechtere Preise" in Form höherer Kontoführungs- und anderer Entgelte. Wobei der Terminus nicht wirklich trifft, denn wenn der Zwang, neue Ertragsquellen zu erschließen, Folge der verheerenden Geldpolitik ist, wie es nicht nur die Sparkassen sehen, dann ist ja gerade nicht der Kunde Verursacher der Kalamitäten. Er wird nur dafür bestraft.

Da ist er in guter Gesellschaft mit den Beschäftigten. "Danke, EZB", können auch die sagen. 6427 von gut 240.000 Stellen bei den Sparkassen wurden im vorigen Jahr über die Fluktuation eingespart, und dieser Trend wird erklärtermaßen anhalten. Wiewohl es noch mehr Ursachen für den Umbruch der Branche gibt wie nicht zuletzt die Digitalisierung und das veränderte Kundenverhalten: Auch hier liegt der Kausalzusammenhang mit dem Zinsumfeld nahe, sind doch Kostensenkungen ein probates Mittel gegen den Ertragsdruck, das die Aufsicht dem Gewerbe regelmäßig empfiehlt.

Das ungefähr ist es, was Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon als "kafkaeske" Situation beschreibt, der sich seine Gruppe (ebenso wie Wettbewerber) ausgesetzt sieht. Erst bringen die Notenbanker mit ihrer abenteuerlichen Politik, die ja obendrein im Wege von Anleihenkäufen zu massiven Marktverwerfungen führt, die Branche in die Bredouille, dann setzen sie sich den Hut der Bankenaufseher auf und geben den Instituten kluge Ratschläge, wie diese versuchen sollen, sich aus dem Schlamassel zu befreien. Den Letzten beißen dann die Hunde, und das ist eben der Kunde.

Wenn die "Roten" jetzt Preiserhöhungen und weitere Kostenmaßnahmen wie Filialschließungen ankündigen, liegt das also nicht daran, dass sie den Reiz der Profitmaximierung entdeckt und nur darauf gewartet hätten, dass die EZB ihnen ein Alibi liefert. Sie bringen ihre Kunden in Not, indem sie auf die von der Geldpolitik ausgelösten eigenen Nöte reagieren. Dass die 409 Sparkassen unterm Strich zuletzt erneut 2 Mrd. Euro verdient haben, kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie der Ergebnistrend verläuft: nach unten. Denn es wird sich kaum wiederholen lassen, dass - wie erstmals 2015 - netto Kreditrisikovorsorge aufgelöst werden kann.

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