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Börsen-Zeitung: Gradmesser Dieselgate, Kommentar zu BMW von Stefan Kroneck

Frankfurt (ots) - Nach der Ertragsdelle im Frühjahrsquartal konnte der neue BMW-Vorstandschef Harald Krüger mit deutlichen Zuwächsen bei Umsatz und Ergebnis in den Sommermonaten nur kurzweilig an der Börse punkten. Aus Furcht, der Abgasskandal bei Volkswagen könnte noch größere Dimensionen annehmen, geriet auch die Aktie des erfolgsverwöhnten Münchner Autokonzerns in den Sog von Dieselgate. Krüger vermochte die Anleger mit seiner Aussage, BMW bleibe geschäftlich vom Skandal beim Wettbewerber aus Wolfsburg unberührt, nicht zu überzeugen.

Vielmehr legte sein Statement bei Vorlage des Zwischenberichts ein Zeugnis darüber ab, wie nervös man mittlerweile in der deutschen Autoindustrie in Bezug auf die VW-Affäre geworden ist. Dass Dieselgate sich noch nicht in den Auslieferungszahlen und in den Fahrzeugpreisen von BMW niedergeschlagen hat, verwundert nicht, ist das Desaster doch erst seit wenigen Wochen bekannt. Insofern stochert auch BMW noch lange Zeit im Nebel, wenn es um die Prognose geht, welche langfristigen Auswirkungen Dieselgate auf den weltweiten Wettbewerb in der Branche haben wird.

Auch für BMW ist das eine entscheidende Frage für ihr Geschäftsmodell, sind doch allein in Deutschland rund 70% aller neu zugelassenen Fahrzeuge aus der weiß-blauen Autoschmiede mit Dieselantrieben ausgestattet. Obgleich Krüger derzeit noch an seiner Strategie feilt, dürfte damit klar sein, dass der Diesel auch künftig für den Erfolg von BMW eine entscheidende Rolle spielt, würden die Münchner doch die verschärften EU-Abgasvorschriften ohne diese Antriebstechnologie klar verfehlen. Die weitere Entwicklung von Dieselgate ist also ein Gradmesser für Krügers Konzept, die Vormachtstellung von BMW im Premiumsegment mindestens zu halten oder bestenfalls auszubauen.

Auf kurze Sicht könnte die Affäre VW dazu verleiten, mit zusätzlichen Rabatten auf Kundenfang zu gehen, wie die jüngsten Oktober-Zahlen von Pkw-Neuzulassungen in Deutschland den Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer vermuten lassen. Das dürfte die Margen dämpfen - und das in einer Zeit, in der die Renditen in den beiden größten Einzelmärkten China und USA unter starken Druck geraten.

In dieser Gemengelage verweist Krüger auf eine fortschrittliche Unternehmens- und Führungskultur bei BMW, was ein Seitenhieb auf VW ist. Wenn "Dialog und Dissens" dazu beitragen, "grundlegendes Fehlverhalten zu verhindern", wie er behauptet, müsste BMW auch unter seiner Regie in der Spur bleiben.

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