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Börsen-Zeitung: Anker in Sicht, Kommentar zu Daimler von Isabel Gomez

Frankfurt (ots) - Es gibt gute und sehr gute Zeitpunkte. Das staatliche chinesische Autokonglomerat BAIC hat sich für seinen geplanten Einstieg beim schwäbischen Autokonzern Daimler ohne Zweifel den perfekten Zeitpunkt ausgesucht. Wegen der Marktturbulenzen im Zusammenhang mit den Sorgen um die chinesische Konjunktur und der Kursverluste bei Aktien von Autoherstellern sind die Daimler-Scheine derzeit günstig zu haben. Doch auch ganz abgesehen von der Höhe oder dem Preis einer Beteiligung hätte eine noch engere Zusammenarbeit der beiden Konzerne zahlreiche Vorteile. Vor allem für Daimler.

Seit Jahren ist der Konzern auf der Suche nach einem Ankeraktionär, der ihn in stürmischen Zeiten unterstützt und vor Übernahmen beschützt. Bereits 2011 wurde über einen Einstieg des chinesischen Staatsfonds CIC gesprochen, der sich aber in Luft auflöste. Volkswagen und BMW haben mit den Familien Piëch und Porsche sowie dem Land Niedersachsen im einen, und den Quandts im anderen Fall solchen Stützen. Die Aktien von Daimler dagegen sind überwiegend im Streubesitz, abgesehen von den kleineren Paketen der Partner Renault und Nissan sowie des bisher größten und treuen Einzelaktionärs Kuwait.

In dieser Situation einen beliebigen Investor zu suchen wäre einfach, aber nicht sinnvoll. BAIC und Daimler arbeiten dagegen seit Jahren erfolgreich zusammen. Die Milliardeninvestitionen der Stuttgarter in die Joint Ventures mit BAIC haben sich gelohnt und spiegeln sich in den Ergebnissen wider.

Beide Gruppen haben außerdem bereits eine Kapitalverflechtung, denn Daimler hält 10% am börsennotierten Pkw-Arm der Gruppe, BAIC Motor. Als erster ausländischer Autohersteller erhielt Daimler 2013 grünes Licht aus Peking für den Einstieg bei einem Staatskonzern. Eine so enge Verflechtung mit einem westlichen Konzern ist bis heute unüblich. BAIC aber kennt Daimlers Ziele und Strategie in China und unterstützt beides seit Jahren kräftig.

Während Audi und BMW sich zuletzt verhalten über ihre weiteren Wachstumschancen in China äußerten, geht Daimler nach wie vor von zweistelligen Wachstumsraten auf dem wichtigsten Pkw-Markt der Welt aus. Damit das auch in Zukunft so bleibt, ist ein direkter Draht nach Peking, den die BAIC-Spitze ohne Zweifel hat, nicht das schlechteste Kommunikationsmittel.

"Nichts wird uns jemals trennen können", jubelte BAIC-Chef Xu Heyi nach Daimlers Einstieg bei BAIC Motor. Und wenn, so scheint es heute, reicht nicht BAIC die Scheidung ein.

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