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Börsen-Zeitung: Intervention als Normalität, Kommentar zu Union Investment von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) - Politiker und Notenbanker von Europa bis China sind zu jeder Intervention an den Märkten bereit, selbst wenn dabei wie im Fall der EZB das Mandat "brutal" gedehnt werden muss - so die nüchterne und für überzeugte Marktwirtschaftler ernüchternde Feststellung von Jens Wilhelm. Der Interventionismus werde in den nächsten Jahren weltweit zur Normalität, prophezeit der Portfoliomanagementchef von Union Investment. Da dürfen wir uns noch auf einiges gefasst machen: zum Beispiel - Wilhelm legt sich vorbehaltlos fest - auf die zeitliche und volumenmäßige Ausweitung des zunächst bis September 2016 terminierten, 1,1 Bill. Euro schweren Anleihekaufprogramms der EZB. Es ist nicht lange her, da dachte man am Markt laut über einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Programm nach.

Auch in der marktwirtschaftlichen Wolle gefärbte Assetmanager können sich freilich mit kontemplativen Betrachtungen des neuen Weltbildes nicht aufhalten. Sie müssen, sosehr ihnen Eingriffe von Regierungen und Notenbanken gegen den Strich gehen mögen, die daraus resultierenden Chancen an den Kapitalmärkten nutzen. Die Halbjahreszahlen der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft, darunter das auf einen Rekordwert verdoppelte Nettoneugeschäft und ein Höchststand auch beim verwalteten Volumen, zeigen exemplarisch, wie es gerade aktiven Vermögensverwaltern gelingen kann, zum Beispiel die Staatsschuldenkrise und nicht zuletzt das fragwürdige Krisenmanagement der offiziellen Stellen zum eigenen Vorteil und zu jenem der Anleger zu nutzen.

Eine besonders markante Ausprägung des Interventionismus ist ja die Niedrig-, Null- und Negativzinsphase - ein Programm zur Sparerumerziehung. Die Folge: Investmentfonds sind mehr denn je en vogue. Der Wechsel in den Anlagepräferenzen und damit verbunden in der Risikoneigung ist volkswirtschaftlich ebenso wie aus der Kundenperspektive grundsätzlich durchaus zu begrüßen. Man wünschte sich nur, dass der Prozess auf freiwilliger Basis und aus Überzeugung vonstattenginge.

Doch so beeindruckend die aktuellen Zahlen von Union Investment und anderer Fondshäuser sind: Wären die Assetmanager Marathonläufer, so Union-Investment-Chef Hans Joachim Reinke, hätten sie jetzt gerade mal das Stadion verlassen. Ein Blick in die neue Bundesbankstatistik zur Geldvermögensbildung bestätigt diese Einschätzung: Die Risikoaversion der privaten Haushalte bleibt hoch, das Engagement an den Kapitalmärkten war im ersten Quartal sogar "besonders schwach". Vielleicht müssen Regierungen und Notenbanken da mal intervenieren.

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