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Börsen-Zeitung: Wegweisender Deal, Kommentar zum Ende des Atomstreits von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Die Einigung im Streit um das Atomprogramm des Iran kann aus politischer Sicht sicherlich als wegweisend betrachtet werden. Das nukleare Forschungsprogramm des Landes ist aus Sicht der USA weitgehend entschärft. Die Wahrscheinlichkeit, dass den Iranern der von ihnen vermutlich geplante Bau einer Atombombe gelingt, ist nun stark gesunken. Die Einigung, mit der sich die USA praktisch komplett durchgesetzt haben, wahrt auch die aktuellen Machtverhältnisse am Persischen Golf. Der Iran wird nicht zu einer Atommacht aufsteigen, was ihm die weitgehende Kontrolle über die Region beschert hätte sowie die Möglichkeit, die Ölversorgung des Westens im Fall eines Konflikts durch Sperrung der Straße von Hormus zu kontrollieren. Nun ist klar, dass die USA die Zügel in der Hand behalten werden.

Was die aktuelle Lage am Ölmarkt betrifft, so sind die Auswirkungen weniger dramatisch. Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung des Ölpreises wider. Brent Crude verbilligte sich am Dienstagmorgen zunächst um mehr als 2%. Nachdem die Marktteilnehmer Gelegenheit hatten, sich über die Folgen der Einigung für das globale Ölangebot klar zu werden, legte die Notierung sogar deutlich zu. Dies liegt daran, dass es noch lange dauern wird, bis der Iran wieder mit voller Kraft produzieren kann. Das Land fördert derzeit noch 1,4 Mill. Barrel pro Tag (bpd). Im Jahr 2011 waren es noch 2,6 Mill. bpd, in den Spitzenzeiten vor mehr als einer Dekade sogar 4 Mill. bpd. Die iranische Ölindustrie ist wegen der Sanktionen, aber auch wegen unterlassener Investitionen ein Schatten ihrer selbst. Aktuell hat das Land zwar 20 Mill. Barrel gelagert, die es kurzfristig auf den Markt werfen kann. Die aktuelle Förderung kann aber zunächst bestenfalls um 400000 bpd gesteigert werden. Für eine Erhöhung der Produktion um weitere 500000 bpd wird der Iran wohl ungefähr ein Jahr brauchen. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass bis dahin die weltweite Nachfrage zugelegt hat und die Förderung von Ländern wie Russland zurückgegangen sein wird.

Damit werden der Iran-Deal und die Rückkehr des iranischen Öls auf den Weltmarkt wohl nicht für einen neuerlichen drastischen Ölpreisverfall sorgen, sondern lediglich dazu beitragen, dass der Anstieg des Ölpreises in den kommenden Jahren eng begrenzt sein wird. Von größerer Bedeutung für die Ölpreisentwicklung dürfte sein, wie sehr Saudi-Arabien daran interessiert ist, den Preiskrieg gegen die Schieferölproduzenten weiterzuführen.

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