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Börsen-Zeitung: Spiel auf Zeit, Kommentar zur Deutschen Telekom von Heidi Rohde

Frankfurt (ots) - Bei der Deutschen Telekom, die sich unter der Ägide von Konzernchef Tim Höttges gerne ihre "aktive Portfolioarbeit" zugutehält, ist der angestrebte große Wurf in den USA bisher ausgeblieben. Im Licht der aktuellen Geschäftsentwicklung könnten sich die Aktionäre dafür beinahe glücklich schätzen. Das Portfolio-Schwergewicht T-Mobile USA verhilft dem Bonner Konzern dank des starken Dollar zu Umsatz- und Ergebnissprüngen, wie sie schon lange nicht mehr gesehen wurden. Aber auch organisch hat die zwischenzeitig zum Sanierungsfall verkommene Tochter zu altem Glanz und ihrer Rolle als Wachstumsmotor des Konzerns zurückgefunden.

Der Vorstand erntet nun die Früchte einer langfristig zunächst auf Wachstum und dann auf Ertragssteigerung angelegten Turnaround-Strategie. Er kann bei seinen Verkaufsbemühungen gelassen bleiben, solange die positive operative Entwicklung der US-Tochter intakt bleibt, denn sie schmückt nicht nur das Zahlenwerk der Telekom, sondern gewinnt auch weiter an Wert, wie der Blick auf den Aktienkurs zeigt. Das an der Nyse notierte Papier hat den Kursverlust, der der im vergangenen August geplatzten Übernahme durch Sprint-Nextel folgte, inzwischen wettgemacht.

Dennoch besteht die Gefahr, dass der Kapitalbedarf von T-Mobile USA in Zukunft die Kräfte der Telekom übersteigt. Der Zeitpunkt naht womöglich bald, wenn die im nächsten Jahr anstehende Auktion von Mobilfunkfrequenzen in den USA mehr fordert, als die Telekom stemmen kann. In Anbetracht der Tatsache, dass die amerikanischen Kartellbehörden nicht nur die Fusion mit Sprint-Nextel, sondern auch ein für die Auktion geplantes bloßes Bieter-Joint-Venture untersagt haben, ist es an der Zeit, dass die Telekom ihre Hoffnungen auf einen Zusammenschluss mit einem großen Wettbewerber in den USA begräbt und sich nach anderen Partnern umschaut.

Zwar geht dies dem Vorstand gegen den Strich, da kein anderer Deal vergleichbar hohe Synergien und damit einen entsprechend hohen Verkaufspreis verspricht, der einen vollständigen Exit aus dem US-Markt rechtfertigen würde. Jedoch wäre es womöglich auch unklug, das Standbein in den USA aufzugeben. Ob die Strategie der Telekom in Deutschland und Europa aufgeht, ist keineswegs sicher. Vodafone hat über 10 Mrd. Euro für Kabel Deutschland ausgegeben und muss deshalb hierzulande angreifen. Auch in anderen europäischen Ländern schläft die Konkurrenz nicht. Viele Märkte sind übersetzt und wachstumsschwach. Und eine neue Netztechnik (All-IP-Netz) wird nicht alles richten.

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