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Börsen-Zeitung: Déjà-vu, Kommentar zu Griechenland von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Kurz vor Jahresende haben die Athener Parlamentarier den Anlegern einen gehörigen Schrecken eingejagt. Mit der gescheiterten Wahl des ehemaligen EU-Kommissars Stavros Dimas zum griechischen Staatspräsidenten stehen nun am 25. Januar Parlamentswahlen an, aus denen die Linkspartei Syriza als Sieger hervorgehen dürfte. Syriza lehnt die Übereinkunft mit der Troika ab, die der Bevölkerung einen harten Sparkurs zugemutet hat. Damit steht in Athen ein grundlegender Politikwechsel an.

Dies hat bei einigen Beobachtern alte Erinnerungen sowie die Befürchtung geweckt, dass die Euro-Krise wieder in voller Stärke ausbrechen und möglicherweise einem neuen Höhepunkt zustreben könnte. Wird also die Vergangenheit neu belebt und steht der Eurozone der zweite, vielleicht schwerwiegendere Teil der Krise bevor?

Bei einer nüchternen Betrachtung der Lage wird klar, dass kein Rückfall in die schlimmsten Krisenzeiten droht. Dies wird auch an den Märkten so gesehen, denn extreme Ausschläge gab es am Montag eigentlich nur bei griechischen Staatsanleihen, deren Renditen in der Spitze um mehr als 1 Prozentpunkt nach oben schossen, sowie am Athener Aktienmarkt, der zunächst um fast 11% abstürzte. Bei Euro und Dax hielten sich die Reaktionen in engen Grenzen. Die Investoren vermuten also, dass die neue Krise ein weitgehend auf das Land beschränktes Phänomen bleibt.

Dafür spricht, dass die Banken der Eurozone - im Gegensatz zur Lage von vor drei Jahren - selbst durch einen Staatsbankrott Athens kaum mehr in Mitleidenschaft gezogen würden. Sie haben ihre Bestände an griechischen Staatsanleihen längst abgestoßen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Märkte einen Rauswurf oder Austritt Griechenlands aus der Eurozone als Anfang vom Ende der Gemeinschaftswährung ansähen. Es dürfte sich dann wohl eher die Meinung bilden, dass die EU ein Problem loswird.

Letztlich ist auch nicht damit zu rechnen, dass eine Syriza-Regierung - trotz der aktuellen Rhetorik - auf harten Konfrontationskurs geht und das Land ins Unglück stürzt. Dafür spricht, dass sich Syriza gemäß den Meinungsumfragen wohl einen Koalitionspartner suchen muss, der möglicherweise gemäßigter ist. Syriza-Chef Alexis Tsipras wird letztlich daran interessiert sein, in einem neuen Kompromiss die schwierige Lage der griechischen Bevölkerung zu verbessern. Ein Zerwürfnis mit Brüssel würde hingegen ganz Griechenland ins Unglück stürzen. Das dürfte auch ihm klar sein.

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