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Börsen-Zeitung: Versumpft, Kommentar zur Deutschen Bank von Silke Stoltenberg

Frankfurt (ots) - Mit einer fetten Bleikugel beschwert steckt die Deutsche Bank tief im Sumpf der Vergangenheit von Finanzkrise und Bankskandalen. Dies erstickt nicht nur operative Erfolge im Keim, sondern belastet auch über Gebühr den Vorstand, der dadurch die strategischen Herausforderungen der Zukunft wie die Digitalisierung nur lahm anpacken kann. Zumal die Führungsetage immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert wird, in die zahlreichen Rechtshändel, die von der unendlichen Kirch-Geschichte, über Manipulationen von Referenzwerten bis hin zu fragwürdigen Geschäften mit US-Hypotheken reicht, verstrickt gewesen zu sein. Investoren und Anleger warten bislang vergeblich darauf, dass ein Strich unter die Vergangenheit gezogen werden kann.

Die Co-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen drücken ordentlich auf die Tube bei den Altlasten, das muss auch so sein. Zudem soll ein Vorstandsumbau die Führung der Bank effizienter machen. Doch der Sprung ans rettende Ufer ist damit noch lange nicht geschafft, wenn es auch vorsichtige Hoffnungen gibt, dass das Schlimmste in absehbarer Zeit hinter der Bank liegen könnte. Denkbar ist, dass die Serie der Strafzahlungen und Entschädigungen in nicht allzu ferner Zukunft ein Ende finden könnte. Dies setzt natürlich voraus, dass nicht irgendwo auf der Welt noch weitere Rechtsverstöße größeren Ausmaßes bekannt werden.

Jedenfalls ist erkennbar, dass es Jain und Fitschen bitterernst damit ist, die schmerzhaften und reputationsschädigenden Scharmützel mit Gerichten und Aufsichtsbehörden hinter sich zu bringen, um auf Basis der Agenda "2015+" unbelastet im internationalen Wettbewerb in die Offensive gehen zu können. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Für das Bemühen, die Altlasten abzuhaken, spricht auch, dass die Ressorts Recht und Finanzen im Vorstand in den nächsten Monaten neu verteilt werden. Christian Sewing wird sich ausschließlich auf die Rechtshändel konzentrieren, Marcus Schenck auf das Finanzressort. Die Noch-Verantwortlichen für Recht und Finanzen, Stephan Leithner und Stefan Krause, haben nicht nur arg viele Aufgaben. Sie waren zuletzt auch in der Causa Kirch beziehungsweise wegen Kritik der US-Aufsicht an den Bilanzierungsmethoden der Bank in Amerika in die Schusslinie geraten.

Krause will seine Kraft nunmehr den strategischen Konzepten widmen. Das tut auch not, warten Investoren und Analysten doch händeringend darauf, dass sich die Deutsche Bank endlich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht und ihre operative Schlagkraft erhöht.

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