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Börsen-Zeitung: Nicht nachvollziehbar, Kommentar zum Rückzug von Daimler bei Tesla von Gerhard Bläske

Frankfurt (ots) - Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber kann sich freuen. Finanziell war das Engagement beim Elektroautopionier Tesla ein voller Erfolg. 50 Mill. Dollar hatten die Stuttgarter 2009 für ihre Beteiligung gezahlt. Aus dem Verkauf der verbliebenen 4% erlösen sie 780 Mill. Dollar. Eine solche Rendite hat keine andere Beteiligung abgeworfen. Der Zeitpunkt des Ausstiegs erscheint überdies günstig. Der Tesla-Kurs ist zuletzt deutlich zurückgegangen. Viele Analysten halten das Papier noch immer für stark überbewertet und rechnen mit weiteren Rückgängen. Der Verkaufserlös kann zur Finanzierung der Modelloffensive verwendet werden.

Doch gibt es erhebliche Zweifel, ob die Trennung strategisch sinnvoll ist. Sicher: Daimler-Chef Dieter Zetsche weist darauf hin, dass die Zusammenarbeit erfolgreich ist und fortgesetzt werden soll. Die neue B-Klasse Electric Drive hat einen Antriebsstrang von Tesla und Partnerschaften und Kooperationen bedürfen nicht unbedingt einer Finanzbeteiligung.

Doch weitere Projekte sind derzeit nicht bekannt. Außerdem hat gerade Daimler auch schon anders argumentiert. Dass die Kooperation mit Renault-Nissan mit einer Überkreuzbeteiligung untermauert wurde, begründete man damit, so die Ernsthaftigkeit und Dauerhaftigkeit der Zusammenarbeit unterstreichen zu wollen. Tesla ist ein Vorreiter der Elektromobilität, hat sehr leistungsfähige Autos im Angebot und großes Know-how auch in der Vermarktung dieser Fahrzeuge. Da kann Daimler durchaus noch etwas lernen. Strategisch ist eine Partnerschaft mit Tesla, die zudem im gleichen Segment tätig ist wie Daimler, bei Elektroautos deshalb sicher sinnvoller als mit Renault-Nissan, die den Elektromotor für den neuen Smart Electric Drive liefern.

Der Ausstieg Daimlers könnte auf Probleme in der Kooperation mit dem US-Unternehmen hinweisen. Vielleicht passt Daimler die Richtung nicht, in die der Partner geht, der den deutschen Premiummarken auf den Pelz rücken will. Schon jetzt macht Tesla in den USA der S-Klasse schwer zu schaffen.

Dass der deutsche Konzern gleichzeitig kurz vor einem Einstieg bei dem italienischen Motorradhersteller MV Agusta steht, ist in diesem Zusammenhang kaum nachzuvollziehen. Aus Aktionärssicht ist das eine teure Liebhaberei, denn der Motorradmarkt ist rückläufig und die Zweiräder sind eher etwas für ältere Herren. "Tesla ist sicherlich sinnvoller als MV Agusta", sagt Autospezialist Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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