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Börsen-Zeitung: Die Vorsichtskasse leert sich, Kommentar zu den Auswirkungen der Sondertilgungen der Banken für die Dreijahrestender der EZB auf die Märkte, von Georg Blaha.

Frankfurt (ots)

Stell Dir vor, eine Zentralbank verschenkt Geld, aber keiner will es haben. Das mag im nun sechsten Jahr der Finanzkrise unglaubwürdig klingen. Doch dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die hohen Sondertilgungen der Banken für die Dreijahrestender der Europäischen Zentralbank (EZB) betrachtet. Mit insgesamt 137 Mrd. Euro haben diese schon zum frühestmöglichen Termin die Prognosen weit übertroffen. Spätestens am 27. Februar, wenn die Mittel aus dem zweiten Tender zurückgezahlt werden können, soll Analysten zufolge die nächste Welle kommen. Den Euro und das Euro-Bankensystem retten - mit diesem Anspruch hatte die EZB Ende 2011 und Anfang 2012 den Instituten der Eurozone brutto rund 1 Bill. Euro zur Verfügung gestellt.

Heute werden die Tilgungen erstmals am Geldmarkt wirksam. Noch immer ist nicht klar, wie sich die Rückzahlungen an den einzelnen Märkten auswirken werden. Die Banken könnten einen Teil der freigewordenen Mittel in ein Dreimonatsgeschäft der EZB überführen. Denn das Zentralinstitut versorgt die Geldhäuser nach wie vor mit unbegrenzter Liquidität, nur eben in kürzeren Laufzeiten. An der hohen Überschussliquidität im Eurosystem und den damit niedrig gehaltenen Geldmarkt- und Interbankenzinsen würde sich in diesem Fall nicht viel ändern. Aber selbst wenn in größeren Schritten Liquidität aus dem Markt genommen wird, dürfte es dauern, bis sich dies nachhaltig in steigenden Zinsen niederschlägt. Analysten glauben daher, dass etwa der Renditeanstieg bei kurzlaufenden Bundesanleihen schon zu viel vorweggenommen haben könnte.

Die Zinsen am Interbankenmarkt könnten sogar sinken, wenn der lange schlafende Interbankenhandel wieder in Schwung käme. Denn den Häusern stehen nach Rückgabe der EZB-Mittel wieder die dafür eingereichten Sicherheiten zur Verfügung, die sie für besicherte Refinanzierungsgeschäfte untereinander verwenden können.

Mit den Rückzahlungen leeren zumindest die soliden Adressen lediglich ihre Vorsichtskasse, die sie bislang bei der EZB - zur eher unattraktiven Verzinsung von null Prozent - vorgehalten hatten. Ob die Dreijahrestender dem Anspruch der allumfassenden Euroland-Rettung gerecht geworden sind, werden einst Wirtschaftshistoriker beurteilen müssen. Bankenpleiten und eine schärfere Einschränkung der Kreditvergabe im Euroraum konnten sie verhindern. Dabei dürfte es vorerst auch bleiben - selbst bei hohen Sondertilgungen.

(Börsen-Zeitung, 30.1.2013)

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