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Börsen-Zeitung: Weniger könnte mehr sein, Kommentar zu Situation der kreditwirtschaftlichen Verbände in Deutschland, von Bernd Wittkowski.

Frankfurt (ots)

Andreas Schmitz hat einen Stein ins Wasser geworfen. Der Bankenpräsident wurde gefragt, was er Jürgen Fitschen, seinem einstimmig gewählten Nachfolger, für dessen im April beginnende Amtszeit mit auf den Weg geben wolle. Schmitz fiel spontan ein, dass die Kooperation mit den anderen kreditwirtschaftlichen Verbänden weiter verbessert werden könne, und beklagte eine Zersplitterung des Verbandswesens.

Wohl wahr! Die gut 2000 deutschen Banken und Sparkassen sind auf Bundesebene (Myriaden von Regionalverbänden lassen wir mal außen vor) in fünf Verbänden organisiert, die sich teilweise auch noch in ihren Tätigkeiten und Mitgliedern überschneiden: die privaten Banken im BdB, Sparkassen und Landesbanken im DSGV, Volks- und Raiffeisenbanken sowie andere Kreditgenossenschaften samt Zentralinstituten im BVR, Landes- und Förderbanken im VÖB und alle, die sich über Pfandbriefe refinanzieren, im VDP. Als gemeinsame Plattform bildet dieses Quintett obendrein "Die Deutsche Kreditwirtschaft" (DK). Hier wird in bankrechtlichen, bankpolitischen und bankpraktischen Fragen mit einer Stimme gesprochen - soweit man sich einig ist. Diese Voraussetzung lässt sich erfahrungsgemäß am ehesten bei Steuer-, Wertpapier- und Zahlungsverkehrsthemen erfüllen. Wie schon ihrem Vorgänger, dem Zentralen Kreditausschuss, wird es freilich auch der DK mit ihrer zwischen BdB, BVR und DSGV wechselnden Federführung schwerfallen, sich zu profilieren.

Sollten also die Verbände enger zusammenrücken und ihre Kräfte bündeln? Womöglich gar in einem Einheitsverband? Der jahrzehntelange Krieg der Säulen - vor allem privat gegen öffentlich-rechtlich - ist Vergangenheit. Wie sollte es auch anders sein, wenn weite Teile der einst privaten Hochfinanz heute zumindest teilweise in Staatshand sind? Jedenfalls gibt es seit Beginn der Krise über alle nationalen Lager hinweg mehr gemeinsame Interessen als in der alten Zeit. Und gerade im heraufziehenden Zeitalter einer Europäischen Bankenunion dominiert das Einende zwischen einer Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold, einer Sparkasse Witten und einer Flessa-Bank eindeutig das Trennende.

Weniger könnte folglich mehr sein: weniger Verbände, mehr Gewicht und Schlagkraft im Verhältnis zu Politik und Regulatoren, nicht zuletzt auf internationaler Ebene. Man könnte also ernsthaft darüber nachdenken. Aber man kann die Idee dann auch gleich wieder vergessen. In Nordrhein-Westfalen schaffen es ja nicht mal die beiden Sparkassenverbände, ihre gesetzlich verordnete Fusion zu beschließen.

(Börsen-Zeitung, 27.11.2012)

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