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Börsen-Zeitung: Zerschlagungsfantasien, Kommentar zur Hochtief-Offerte aus Spanien von Andreas Heitker

Frankfurt (ots) - Gerüchte um eine Zerschlagung des Baukonzerns Hochtief gibt es mindestens seit 2004 - seit dem Ausstieg des langjährigen Großaktionärs RWE. Auch der spanischen ACS, die 2007 für 1,2 Mrd. Euro ein Viertel der Hochtief-Aktien erworben hatte, wurde schon nachgesagt, nur am US-Geschäft der Deutschen und der lukrativen Mehrheitsbeteiligung an der ebenfalls börsennotierten Leighton aus Australien interessiert zu sein.

Hintergrund der Spekulationen war immer auch die niedrige Börsenbewertung von Hochtief. Diese entsprach häufig gerade einmal dem Marktwert der Leighton-Beteiligung. Nicht ohne Grund hat Hochtief im vergangenen Jahr versucht, ihre Tochter Concessions an die Börse zu bringen. Die Transaktion sollte auch die Werte des Konzerns noch einmal offenlegen.

Das öffentliche Angebot, das der Großaktionär ACS nun angekündigt hat, dürfte kurzfristig kaum Auswirkungen auf die Macht- und Konzernstrukturen von Hochtief haben. Die Offerte bietet den übrigen Anteilseignern gerade einmal den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis. Es gibt insofern keinen Anreiz für die Hochtief-Aktionäre, auf den spanischen Lockruf einzugehen.

Es ist dennoch kaum zu erwarten, dass der Konzern seine magere Offerte noch einmal aufstocken wird. Denn ACS taktiert. Es geht zurzeit nur darum, den Anteil von heute 29,9% mit dem Kauf von ganz wenigen Aktien über die 30%-Schwelle zu hieven. Danach könnte ACS ohne den Druck eines Pflichtangebots weitere Schwächephasen im Markt ausnutzen und sich ganz langsam in Richtung einer Mehrheitsübernahme bewegen. ACS erwirtschaftet zurzeit erst jeden vierten Euro außerhalb des kriselnden Heimatmarktes. Mittelfristig soll der Auslandsanteil am Umsatz auf 50% steigen, und Hochtief ist hierfür als die richtige Plattform auserkoren.

Ob die spanischen Manager aber den Geschäftsbericht von Hochtief gründlich studiert haben? Dann werden sie wissen, dass es im Konzern nur so von Change-of-Control-Klauseln wimmelt. Die Rahmenkreditverträge und Aval-Vereinbarungen des MDax-Konzerns enthalten solche Bestimmungen; ein Großteil der Airport-Sparte wäre betroffen, ebenso die vielen langfristigen Geschäfte mit der öffentlichen Hand (PPP). Die Übernahme- und Zerschlagungsfantasien in Madrid sollte das deutlich dämpfen.

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