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Börsen-Zeitung: Infineon in Abwärtsspirale, Kommentar zum Verkauf der Handytechnik von Michael Flämig

Frankfurt (ots) - Ein Dax-Konzern verkauft ein Viertel seines Umsatzes und reicht 3400 Beschäftigte weiter an einen neuen Arbeitgeber. Dies ist keine Alltagsmeldung, auch wenn sie sich seit Monaten andeutet. Mit der Trennung vom Mobilfunkchip-Geschäft wagt Infineon einen derartigen ungewöhnlichen Schritt. Die Frage lautet: Schrumpft Infineon sich damit gesund oder verstümmelt der Konzern sich selbst?

Der Vorstand hat Argumente auf seiner Seite für die Transaktion. Der anziehende Wirtschaftszyklus ermöglicht keinen vorzüglichen, aber einen annehmbaren Verkaufspreis. Die Investitionen in neue Produkte wären gewaltig. Letztlich hat die Infineon-Sparte nicht die nötige Größe in dem Massengeschäft erreicht, wie Vorstandschef Peter Bauer ausführt, um diese Ausgaben zu stemmen.

Letztlich ist dies aber nur ein Eingeständnis des eigenen Scheiterns. Infineon ist es nicht gelungen, in den vergangenen zehn Jahren eine führende Rolle in dem teils standardisierten Zukunftsmarkt zu erobern. Damit wird auch Deutschland abgehängt. Den heutigen Infineon-Vorstand interessiert dies nicht. Auf entsprechende Fragen werden lieber die eigenen Erfolge herausgestrichen. Selbstkritik wäre aber durchaus angebracht, schließlich hat das Management die technologische Kompetenz der Beschäftigten nicht in Geschäft umgesetzt. Die Führungsetage hat sich jahrelang lieber mit Intrigen statt mit dem Markt beschäftigt.

Dies allerdings ist - hoffentlich - Geschichte, wenngleich demnächst ein neuer Aufsichtsratschef gewählt werden muss. Zukunftsgewandt ist beunruhigender, dass keine Wachstumsstrategie für das Restgeschäft zu erkennen ist. Verhandlungen über Zukäufe gibt es dem Vorstand zufolge nicht. Die organischen Expansionspläne bleiben vage. Es geht wohl nur darum, mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten. Die Vision erschöpft sich darin, eine Umsatzprognose auf Fünfjahressicht in den Raum zu stellen. Momentan geht das durch, weil die Branche boomt. Mittelfristig ist dies zu wenig. Die zuletzt aufbegehrenden Aktionäre stellt der Konzern ruhig, indem er eine Dividende avisiert.

Infineon legt sich mit dem Verkauf ein Liquiditätspolster von mehr als 2 Mrd. Euro zu. Dies mag beruhigend sein. Doch Gesundheit wird nur vorgetäuscht. Infineon befindet sich seit einer Dekade in einem Prozess der Selbstverstümmelung.

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