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Börsen-Zeitung: Der eigentliche Stresstest, Kommentar zur Veröffentlichung der Bankenstresstests von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) - Bestanden oder durchgefallen? Das ist heute die Frage. Die Show namens Bankenstresstest steuert mit der um 18 Uhr beginnenden Ergebnisveröffentlichung auf ihren Höhepunkt und vorläufigen Abschluss zu. Mit der Bewältigung der Folgen aber werden manche Prüflinge ebenso wie die Aufseher und nicht zuletzt die Politiker, die diese Aktion angezettelt haben, womöglich noch lange zu tun haben.

Warum "Show"? Für eine Bankenaufsicht, die ihren Namen verdient, kann dieser Test keine entscheidend neuen Erkenntnisse bringen. Nur echte Einfaltspinsel können doch glauben, dass die Kreditinstitute hierzulande und in den meisten anderen EU-Ländern im Rahmen der laufenden Überwachung und bei Bedarf durch Sonderprüfungen nicht ohnehin mehr oder weniger regelmäßig auch daraufhin getestet würden, wie sie auf Stresssituationen reagieren, dass die aktuelle Belastbarkeitsprüfung also etwas grundlegend Neues wäre. Neu an diesem Test ist neben der Publikmachung der Daten, dass dieser länderübergreifend nach angeblich einheitlichem Muster ablief, wobei abzuwarten wäre, ob etwa unterschiedliche Kernkapitaldefinitionen nicht doch ein verzerrtes Bild ergeben werden. Das "EU-Einheitsabi" für Banken muss aber keineswegs von Vorteil sein. Sinnvollerweise findet Bankenaufsicht seit Einführung des Regelwerks "Basel II" mehr denn je auf individualisierter Basis statt. Da sagen die Kontrolleure den Kontrollierten schon mal diskret, dass sie bei der Kapitalausstattung wohl besser etwas nachlegen sollten. Der Satz von 6%, der jetzt als Richtwert für die Mindestkernkapitalquote herumwabert, ist dabei aufsichtsrechtlich so unverbindlich wie unmaßgeblich. 6% wären für eine stark an den Kapitalmärkten exponierte Bank selbst unter Stressbedingungen ein eher dünnes, für ein reines Retail-Institut ohne große Wertpapiereigenanlagen dagegen ein recht komfortables Polster.

Der eigentliche Stresstest könnte denn auch noch in den kommenden Wochen anstehen. Dann nämlich entscheiden Kapitalmärkte und Ratingagenturen in Form von Kurs- und Spreadreaktionen sowie Bonitätsanpassungen aus ihrer Sicht, welche Bank die Prüfung bestanden hat und welche nicht. Und dem "Oberaufseher Markt" ist es wurscht, wie dies ein EU-Aufsichtsausschuss nach einem Einheitsschema beurteilt. Insofern könnte die Veröffentlichung der Testergebnisse demnächst noch manch böse Überraschung nach sich ziehen.

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