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Börsen-Zeitung: Teilerfolg für Zetsche, Kommentar zur Daimler-Allianz mit Renault und Nissan von Bernd Weber

    Frankfurt (ots) - Bloß kein Vergleich mit Chrysler oder Mitsubishi. Keine Hochzeit im Himmel, wie die Fusion zwischen Daimler und Chrysler einst beschrieben wurde. Daimler-Boss Dieter Zetsche versuchte bei der Unterzeichnung der strategischen Kooperationsvereinbarung mit Renault-Nissan, alle in den Sinn kommenden Parallelen des neuen Deals mit den fehlgeschlagenen Allianzen der Vergangenheit wegzuwischen.

    Wir starten auf der Erde und bleiben dort, umschrieb Zetsche die künftige Zusammenarbeit mit Renault-Nissan. Geerdet ist sie also, die neue Allianz, die so nicht heißen darf, weil ja nur kleine Kapitalanteile getauscht werden, bis auf einen Kontroll-Ausschuss für die Kooperation kein gemeinsames Management geplant und auch eine gegenseitige Vertretung in den Aufsichtsräten nicht vorgesehen ist.

    Bessere Aussichten

    Die Erfolgsaussichten für die neue deutsch-französisch-japanische Allianz jedenfalls scheinen auf den ersten Blick deutlich besser zu sein als bei ähnlichen Versuchen der Stuttgarter in der Vergangenheit. Zetsche gibt unumwunden zu, welche Riesenfehler in Sachen DaimlerChrysler gemacht worden sind. Da wurde erst einmal fusioniert, ohne zu prüfen, was denn in dem zusammengeführten Konzern alles besser gemacht werden könnte. Und selbst zum Schluss der Beziehung, so Zetsches Erkenntnis, wurde nur noch nebeneinander hergelebt. Kein Wunder, dass die Reißleine gezogen werden musste. Jetzt wird sozusagen das Pferd von der anderen Seite aufgezäumt. Erst gemeinsame Projekte, dann die vertragliche Willensbekundung für eine langfristige Kooperation, unterfüttert mit einer kleinen gegenseitigen Beteiligung. Das bezeugt Verbindlichkeit und signalisiert eine gewisse Dauerhaftigkeit der Beziehung. Schließlich wäre es fatal, wenn in den Standorten und bei den Ingenieuren, eben dort, wo die neue Beziehung jetzt gelebt werden muss, die Beharrungskräfte dem Erzielen von Synergien entgegenstünden. Kulturelle Differenzen haben schon häufig zum Tod von Projekten geführt, das weiß auch Daimler. Jetzt könnte es wirklich anders sein, wird den Worten von Zetsche Glauben geschenkt. Vielen Mitarbeitern von Daimler ist in der tiefen Krise der gesamten Branche demnach klar geworden, dass Nabelschau und ein Festhalten am Status quo weitere Risiken mit sich gebracht hätte. Die bisherige Marschroute scheint verlassen, die jüngste schwierige Entwicklung hat laut Zetsche für mehr Offenheit gesorgt. Die Bereitschaft unter den Mitarbeitern, die Ideen, Entwicklungen und Produkte aus anderen Häusern mit einem offenen Auge zu betrachten, ist offenbar gewachsen. Sonst würde Zetsche nicht so offen davon plaudern, dass seine Ingenieure einen bei Renault fast fertig entwickelten Motor als hervorragend in Konzepte von Daimler integrierbar beschreiben oder die gute Zusammenarbeit der beiden Mannschaften bei der Arbeit am Nachfolger von Twingo und Smart loben.

    Aus den Fehlern gelernt

    Daimler scheint auf gutem Weg, aus Fehlern zu lernen, wenn es um die Zusammenarbeit mit Massenherstellern geht. Doch nun das Hohelied einer geänderten Kultur zu singen, hieße, die nüchterne wirtschaftliche Betrachtung aus den Augen zu verlieren. Daimler musste ganz pragmatisch einen Partner für das Kleinwagengeschäft finden.

    Denn der aktuelle Smart hat seinen Zenit hinter sich, seine Deckungsbeiträge sinken. Zetsche sprach nicht explizit davon, ließ in seinen Äußerungen aber durchblicken, dass weder eine neue Generation des Zweisitzers und erst recht nicht ein neuer Viersitzer unter Kosten- und Ertragsaspekten in Alleinregie von Daimler gebaut werden würden. Der Tod des Smart wäre so wohl absehbar gewesen. Nun holt man sich mit Renault Drei- und kleine Vierzylindermotoren ins Haus und kann dank der gemeinsamen Entwicklung und der Nutzung künftiger Architekturen für Twingo und Smart deutliche dreistellige Millionenbeträge einsparen. Und Renault kann Motoren- und Fahrzeug-Fertigungskapazitäten besser auslasten.

    Lastenteilung gepaart mit Skalenerträgen sind betriebswirtschaftlich nicht zu widerlegende Argumente. Wenn die Beziehung klappt, kann Daimler den Break-even für den Smart senken und das für Premiumhersteller so wichtige Kleinwagensegment profitabler gestalten. Einen Teilerfolg hat Zetsche damit erzielt und käme dem immer noch existierenden Ziel, im Pkw-Geschäft eine operative Marge von 10% zu erzielen, ein Stück näher.

    Doch bis dahin sind es noch Meilen. Für 2010 wird von Daimler für die Pkw-Sparte inklusive Smart ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von mindestens 1,5 Mrd. Euro prognostiziert. Ins Verhältnis gesetzt zu einem um 5% steigenden Umsatz würde 2010 eine Pkw-Rendite von mindestens knapp 3,5% stehen. Das nächste Volumenmodell kommt erst Ende 2011 mit dem ersten neuen Kompakt-Fahrzeug auf den Markt. Und angesichts der hohen Entwicklungs- und Fertigungskosten können auch Pkw mit Premium-Umweltanspruch nicht zu den für eine Zielerreichung notwendigen Margen in den Markt gebracht werden. 10%, die überdies im Zyklus-Durchschnitt erzielt werden sollten, werden so auf viele Jahre nicht zu erreichen sein.

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