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Börsen-Zeitung: Entspannungssignale, Kommentar zum Adidas-Quartalsbericht von Björn Godenrath

    Frankfurt (ots) - Wohl dem, der eine Delle in der Geschäftsentwicklung so gut ausbügeln kann wie Adidas. Hatte der Konzern die Anleger mit seinem Gewinnausweis im Mai noch ordentlich verschreckt, sendet Vorstandschef Herbert Hainer ein halbes Jahr danach Entspannungssignale. Den abrupten Absatzeinbruch hat das Unternehmen mit striktem Management des Working Capital gekontert. Dank bevorstehender Großereignisse kann der Sportartikelanbieter sogar vorsichtig optimistisch auf das kommende Geschäftsjahr blicken.

    Dabei kann der Verlauf des dritten Quartals noch keinen Jubelsturm auslösen. Insbesondere Lagerräumungsverkäufe haben die operative Marge auf 11,6% gegenüber 15,3% gedrückt. Mit der Bestandsbereinigung konnte allerdings das kurzfristige Betriebskapital signifikant reduziert werden, was den Mittelzufluss befeuerte. Die Folge: Der im Mai noch bedrohlich erscheinende Verschuldungsgrad von 82% ist auf 70% abgesunken. Wenn die Zeichner der 400 Mill. Euro schweren Anleihe Ende November in Aktien wandeln und der Cash-flow weiter sprudelt, fällt der Verschuldungsgrad unter 50%. Damit hätte Adidas dieses mittelfristige Ziel vorzeitig erreicht.

    Der Effekt der drohenden Gewinnverwässerung aus dem Wandler hat Adidas-Papiere nicht nachhaltig belasten können, auch am Mittwoch lag die Aktie in der Spitze über 4% vorne. Ein fader Beigeschmack bleibt aber: Bei all den Anstrengungen zur Schuldenbegrenzung erscheinen die für den mittlerweile beendeten Aktienrückkauf aufgewendeten Mittel (420 Mill. Euro) als verplempertes Geld.

    Aber das ist Schnee von gestern, richten die Investoren ihren Blick doch nach vorne. Hainers Aussage, das Schlimmste überstanden zu haben, weckt Hoffnungen auf eine nachhaltige Belebung der Geschäfte des Markenartiklers aus Herzogenaurach. Die Chancen dafür stehen in der Tat nicht schlecht, zudem ist der Konzern nach Durchschreiten der Talsohle nun doch defensiver aufgestellt. In der zuletzt schwächelnden Performance-Kategorie dürften die im Zuge der Weltmeisterschaft anziehenden Fußball-Umsätze stützen. Die Sport-Style-Ware findet ohnehin guten Absatz. Und außerdem scheinen bei Reebok die Bereinigungsmaßnahmen langsam zu greifen. Das alles ist eine gute Grundlage für vorsichtigen Optimismus selbst in mauer Konjunkturlage.

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