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Börsen-Zeitung: Spekulationsobjekt HRE, Kommentar von Björn Godenrath zur bevorstehenden Übernahme der Hypo Real Estate durch den Bankenrettungsfonds Soffin

    Frankfurt (ots) - Gesetzt den Fall, dass die Prüfung des ergänzten Finanzmarktstabilisierungsgesetzes durch Bundespräsident Horst Köhler zügig vonstattengeht, könnten die Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) schon bald ein Übernahmeangebot vom Bankenrettungsfonds Soffin erhalten. Angesichts der Dringlichkeit und Eindeutigkeit der zeitlich begrenzten Maßnahmen ist vom Staatsoberhaupt keine Blockadehaltung zu erwarten, sofern die Vorlage juristisch keinerlei Angriffsfläche bietet.

    Beim Soffin rüsten sie sich bereits für den Tag X - und je näher das Übernahmeangebot rückt, desto stärker schießen die Spekulationen ins Kraut, wie viel der Staat rausrücken wird. Vergangene Woche wurden offensichtlich ohne Grundlage 1,85 Euro je Aktie ventiliert. Da zog die Aktie um 15% auf 1,42 Euro an. Nun werden mit Bezug auf das neue Gesetz "maximal" 1,26 Euro (Durchschnittspreis der ersten Februarhälfte) genannt. Ergebnis: Die Aktie verliert in der Spitze 14% auf 1,06 Euro. Im Markt wird befürchtet, dass die Offerte wesentlich niedriger liegt.

    Mit 8,7% ist der Bund bereits im Kapital des Staats- und Immobilienfinanzierers vertreten. Ist das Übernahmeangebot ausreichend attraktiv gegenüber dem dann aktuellen Marktpreis, könnten dem Soffin so viele Anteile angedient werden, dass er seine Position vor der Rettungshauptversammlung deutlich komfortabler gestaltet. Beschlüsse zu Kapitalschnitt und Rekapitalisierung können auf dem Aktionärstreffen bereits mit 50% plus eine Aktie getroffen werden. Gelingt diese Operation, braucht nicht auf das letzte Mittel der Enteignung zurückgegriffen zu werden.

    Es steht jedoch in den Sternen, wie die HRE-Aktionäre ticken. Flowers will es drauf ankommen lassen, das steht fest. Angesichts des Kursverlaufs befinden sich nur jene Investoren im Geld, die Anfang März nahe dem Tief bei 0,64 Euro kauften - das werden die wenigsten sein. Für Privatanleger mag die Offerte eine Gelegenheit darstellen, ein dunkles Kapitel im Depot zu beenden. Es war ja bereits bei der T-Aktie zu beobachten, dass Kleinanleger lange an ihrem Investment festhielten - sei es aus Hoffnung auf Besserung oder aus Resignation. Institutionelle Investoren stehen vor demselben Dilemma, geht es für sie, so sie nicht zu den glücklichen Arbitrageuren gehören, doch nur noch um Schadensbegrenzung.

    (Börsen-Zeitung, 7.4.2009)

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