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Börsen-Zeitung: Bernankes bittere Pillen, Kommentar zu den Finanzmärkten von Dieter Kuckelkorn

    Frankfurt (ots) - Ben Bernanke, der Chairman der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, hat sich die Reaktion auf das neue, äußerst umfangreiche Hilfspaket seines Hauses vermutlich anders vorgestellt. Die Fed gibt, wie sie jetzt angekündigt hat, per Ankauf von Wertpapieren - darunter jetzt langlaufende Staatsanleihen - mehr als 1 Bill. Dollar zusätzliche Liquidität in die Märkte. Zwar hat die Nachricht vom Mittwochabend am Bondmarkt ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Die Begeisterung der Anleger am Aktienmarkt über den Griff der Fed in die Vollen verflog nach einer sehr kurzen euphorischen Reaktion jedoch rasch. Am Donnerstag verzeichnete der Dax ein mageres Plus von gerade einmal 1,2%, am Freitag ging er mit einem noch schwächeren Aufschlag ins Wochenende. Am Devisenmarkt verzeichnete der Dollar gar deutliche Verluste, was sicherlich nicht im Sinne von Amerikas oberstem Währungshüter ist.

    Sicherer Hafen

    Während die Akteure am Aktienmarkt noch hin und her gerissen sind - schließlich ist die Stimmung nicht ausgesprochen positiv, aber eben auch nicht besonders negativ -, scheint die eindeutige Reaktion am Devisenmarkt der Schlüssel zu einer korrekten Einschätzung der aufsehenerregenden Maßnahmen zu sein. Der Greenback hatte in den vergangenen Wochen stets von der Finanzkrise profitiert. Er galt und gilt vielen Marktteilnehmern als sicherer Hafen, obwohl die Krise bekanntlich in den USA ihren Ursprung genommen hat. Die Robustheit des Dollar-Kurses wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass die Verschuldung der USA bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt niedriger ist als in Europa und dass die Fed bislang eine Politik der Zinssenkungen und Liquiditätsinjektionen gefahren hat, die mit Blick auf das Ausmaß der Krise noch als angemessen bezeichnet werden konnte. Auch bei den neuen Maßnahmen lässt sich zwar argumentieren, dass sie wohl unvermeidbar sind. Es ist jedoch zu befürchten, dass die von der Fed verabreichte Medizin erhebliche Nebenwirkungen hat. Dies schlägt auf den Dollar- Kurs durch und dürfte letztlich auch die Aktienmärkte belasten. Was die Fed vorhat und was bald vielleicht auch die Europäische Zentralbank durchführen muss, läuft letztlich auf ein Drucken von Geld in großem Stil hinaus. Mittelfristig wird dadurch ein enormes Inflationspotenzial entstehen, zumal ja irgendwann auch noch die Zinssenkungen der Notenbanken ihre Wirkung entfalten dürften.

    Eine aus dem Ruder laufende Inflation ist für den Aktienmarkt Gift, auch wenn beispielsweise Inhaber festverzinslicher Wertpapiere und von Bargeld noch härter getroffen werden. Inflation beeinträchtigt insbesondere in einem schwachen konjunkturellen Umfeld die Gewinnmargen der börsennotierten Unternehmen, weil diese die von ihnen hinzunehmenden Kostensteigerungen in der Regel nur sehr unvollständig an ihre Kunden weitergeben können. Ihre realen Stückgewinne geraten daher unter Druck. Zudem neigen Geschäftspartner in einem inflationären Umfeld dazu, höhere Risikoprämien zu fordern. Damit steigen die Kapitalkosten an. Und nach Berechnungen der österreichischen Sparinvest waren US-Aktienanleger bei Inflationsraten von mehr als 10% pro Jahr bislang meist lediglich bereit, den in der Bilanz vorhandenen Substanzwert zu zahlen. In Phasen niedriger Inflationsraten von rund 2% ließen sie sich typischerweise darauf ein, das Dreifache der Substanzwerte auf den Tisch zu legen.

    Ungutes Gefühl

    Ein weiterer Risikofaktor liegt in der scharfen Disinflationspolitik, die Notenbanken gemeinhin in einem stark inflationären Umfeld anwenden. Diese dämpft das Wachstum und damit die Ertragsaussichten der Unternehmen. Und schließlich mag auch so manchen Aktienanleger ein ungutes Gefühl beschleichen, wenn er sich vergegenwärtigt, dass die letztlich durch ein Übermaß an Liquidität auf den Märkten verursachte Krise dadurch bekämpft wird, dass noch sehr viel mehr Liquidität injiziert wird.

    Den Aktienmärkten wird Bernankes bittere Medizin also wohl keinen Auftrieb geben. Eine nachhaltige Erholung wird erst dann einsetzen, wenn die konjunkturellen Frühindikatoren zuverlässig eine Verbesserung des Umfelds anzeigen.

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