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Das ARD radiofeature im November: "Neue Heimat Salafismus" - Ein Feature über eine gewaltbereite Jugendkultur

Hamburg (ots) - Rund 40 extremistische salafistische Gruppen und Grüppchen gibt es allein in Nordrhein-Westfalen. Der Weg aus einer Fußgängerzone an Rhein oder Ruhr in die Kriegsgebiete Syriens und des Irak ist häufig erschreckend kurz. Im November gelang es den nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden, ein salafistisches Unterstützernetzwerk aufzudecken und die Drahtzieher festzunehmen. Warum geraten junge Männer und Frauen in die radikalislamische Szene? Kann es gelingen, die kampfbereiten Anhänger wieder zurückzuholen? Wie gehen die Sicherheitsbehörden mit dem Problem um? Im ARD radiofeature "Neue Heimat Salafismus" zeigen die WDR-Autoren Irene Geuer und Paul Elmar Jöris, was den neuen Radikalismus für junge Menschen attraktiv macht und wie Radikalisierungsprozesse verlaufen. Dabei wird deutlich, dass der Salafismus kein rein muslimisches Phänomen mehr ist, sondern längst ein Thema, das in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen ist.

Zu hören ist das neueste ARD radiofeature ab Mittwoch (26.11.) in sieben Wort- und Kulturwellen der ARD; den Auftakt macht SWR 2 um 22.05 Uhr. Im Internet steht die Dokumentation unter www.ard-radiofeature.ard.de ab 26. November als Download zur Verfügung.

Im Mittelpunkt des Features steht eine deutsche Mittelschichtsfamilie, die ihren Sohn an die salafistische Szene verloren hat. Die Mutter berichtet von den vielen Streitereien, als der Sohn sich einen Bart wachsen ließ und kein Schweinefleisch mehr aß. Sie konnten keine gemeinsamen Themen mehr finden, sich nicht mehr verständigen. "Und irgendwann hatte ich das Gefühl, da geht unser Sohn in eine Richtung, das macht mir Angst, das ist mir zu extrem", sagt die Mutter, die ihren Namen nicht nennen will. Sie telefonierte und recherchierte im Internet, bis sie auf die IFAK stieß, den "Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe - Migrationsarbeit". Dort und in anderen Institutionen wie den "Wegweisern", die vom Düsseldorfer Innenministerium engagiert worden sind, versuchen Berater den betroffenen Familien Halt zu geben, wenn plötzlich der Gebetsteppich ausgerollt wird, Bärte wachsen und der Kontakt zur Familie abgebrochen wird. Wenn die Kinder plötzlich Richtung Morgenland verschwinden.

Rund 450 deutsche Salafisten sollen sich nach Syrien abgesetzt haben, um sich den IS-Kämpfern oder anderen radikalen Gruppen anzuschließen. Sicherheitsbehörden gehen von rund 6500 radikalen Islamisten in Deutschland aus. Ihre Angehörigen sind oft hilflos, schämen sich und wollen nicht darüber sprechen. Und sie haben Angst um ihre Söhne - und um ihre Töchter. Denn auch junge Frauen schließen sich den Dschihadisten an - laut Verfassungsschutz nennt eine Frauenquote von rund elf Prozent. Wer nach Syrien geht, kommt - wenn überhaupt - als ein anderer Mensch wieder. Verstört, traumatisiert und als tickende Zeitbombe im wahrsten Sinn des Wortes. Andere verschwinden ganz vom Radar der Sicherheitsbehörden.

In der aufgeheizten Atmosphäre der Diskussion über eine gewaltbereite Jugendkultur dokumentiert das Feature, wie schwer es ist, junge Männer oder Frauen aus dem Salafismus zurückzuholen. Wer aussteigt, wird verfolgt oder bedroht. Ein einheitliches Muster der Radikalisierung von in Deutschland aufgewachsenen jungen Menschen gibt es im Internet-Zeitalter nicht. Jede Biografie, jedes Schicksal ist anders. "Wir suchen wahrscheinlich nach etwas, das wir gar nicht finden werden", sagt der Sozialwissenschaftler Thomas Schweer von der Universität Duisburg.

Irene Geuer lebt in Köln und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freie Mitarbeiterin für den WDR und andere öffentlich-rechtliche Sender. Sie ist unter anderem Autorin des WDR-Zeitzeichens und Hörfunkmoderatorin.

Paul-Elmar Jöris ist ARD-Experte für Terrorismus und Innere Sicherheit. Seit über 30 Jahren beschäftigt er sich mit politischem Extremismus. Für seine sicherheitspolitische Berichterstattung wurde er 2011 mit dem Carstens-Preis der Bundesakademie für Sicherheitspolitik ausgezeichnet.

Sendetermine:

SWR 2: Mittwoch, 26. November 2014, 22:05 Uhr
BR 2: Samstag, 29. November 2014, 13:05 Uhr
SR 2: Samstag, 29. November 2014, 17:05 Uhr
Nordwestradio (RB): Sonntag, 30. November 2014, 16:05 Uhr
NDR info: Sonntag, 30. November 2014, 11:05 Uhr
WDR 5: Sonntag, 30. November 2014, 11:05 Uhr
hr2-Kultur: Sonntag, 30. November 2014, 18:05 Uhr

Redaktion: Gisela Corves 

Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks für das ARD radiofeature 2014.

Pressekontakt:

Uwe-Jens Lindner
WDR Presse und Information
Telefon 0221 220 7123
uwe-jens.lindner@wdr.de

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