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WDR 2-Sportzeit-Interview mit Pleitgen zu TV-Fußballrechte-Verhandlungen

Köln (ots) - Interview mit Fritz Pleitgen - WDR-Intendant und ARD-Vorsitzender - in der WDR 2 Sportzeit Moderator Sven Pistor: Wir bleiben dem Fußball treu, gehen aber vom Platz - zum Recht; Fußballrechte. Das ist ja ein großes Thema. Sie haben es eben gehört: Die Verhandlungen zwischen ARD und ISPR über Fernsehrechte an der Fußballbundesliga haben bislang zu keiner Einigung geführt. Die ISPR, also die Sportrechte-Agentur der Kirch-Gruppe, ist nach intensiven Verhandlungen nach wie vor nicht bereit, den mit der ARD abgeschlossenen und noch bis zum Ende der Bundesliga-Saison 2001/2002 gültigen Vertrag zu erfüllen. Im Studio ist nun WDR-Intendant und ARD-Vorsitzender Fritz Pleitgen. - Herr Pleitgen, wo hakt es? Pleitgen: Das ganze Elend hat damit begonnen, dass die Kirch-Gruppe beschlossen hat, die Erstverwertung im Free-TV bei "ran" von 18:30 Uhr auf 20:15 Uhr zu verlagern. Nun möchte man sich natürlich die Topbegegnungen vorbehalten und die Zuschauer weiter warten lassen, damit sie dann gegen 21:45 Uhr sich diese Spiele bei SAT 1 ansehen. Das können wir natürlich nicht akzeptieren; denn wir haben einen gültigen Vertrag. Und der bezieht sich auch eindeutig auf die "Tagesschau". Wir können es uns nicht vorschreiben lassen, nun die Spiele zu zeigen, die der ISPR gefallen. Wir müssen das Wichtigste zeigen. In die "Tagesschau" gehört immer das Wichtigste vom Tage. Und dazu gehört auch am Sonnabend der Fußball in der Bundesliga, und zwar mit seinen Topspielen. Moderator: Das heißt, am ersten Samstag, wenn der Ball wieder rollt, wird es Kurzberichte in der "Tagesschau" geben von den drei Topspielen? Pleitgen: Na, das wird man jetzt sehen. Ich hoffe immer noch sehr, dass wir mit der Kirch-Gruppe, also mit der Sportrechte-Agentur ISPR, dort zu einer Einigung kommen. Aber bislang hat die Gegenseite die Verhandlungen so hingeschleppt, dass wir uns nun gezwungen sehen, das Recht auf Kurzberichterstattung geltend zu machen. Dieses ist ein Recht, das vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde. Es ist dann anzuwenden, wenn Übertragungsrechte verweigert oder zeitlich erst dann zur Verfügung gestellt werden, wenn sie für das Publikum uninteressant geworden sind. Moderator: Und weil Kirch jetzt im Free-TV das Ganze auf 20:15 Uhr zieht, heißt das für die ARD, dass man da noch nicht senden kann? Laut Definition Kirch. Pleitgen: Ja, die Kirch-Seite bietet uns überwiegend die Spiele der dritten und vierten Kategorie an, also nicht die Topspiele. Aber wie stehen wir in der "Tagesschau" da, wenn wir das Wichtigste nicht zeigen? Zudem haben wir einen gültigen Vertrag, in dem steht, dass wir die freie Auswahl der Bundesligaspiele vom Sonnabend haben. Davon können wir nicht runtergehen. Dann würden wir doch unser ganzes System infrage stellen, wenn wir jetzt immer das Zweitwichtigste und Drittwichtigste auch in der Politik zeigen. Das ist also eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung. Moderator: Bei den drei Topspielen des ersten Samstags sind jetzt Kamerateams von ARD-Seite angemeldet worden. Gab's da von Vereinsseite Reaktionen? Pleitgen: Wir haben die Vereine aufmerksam gemacht, dass dieses eine vorsorgliche Maßnahme ist. Ich denke, man wird unsere Situation auch verstehen. Es ist klar, wenn sich einmal die Kurzberichterstattung durchsetzt, dann steht für diejenigen, die derartige Veranstaltungen machen, sehr viel auf dem Spiel. Dann kann es natürlich zu einer Entwertung der Rechte kommen. Deshalb muss man sich auf der Seite von Kirch sehr wohl überlegen, welche Lawine da unter Umständen losgetreten wird. Wir wollen jetzt nicht den Konflikt suchen: wir haben den nie gesucht. Wir haben großes Verständnis für die Situation der Vereine. Was mich wurmt, ist, dass durch das intransigente Verhalten der Kirch-Seite nun die ARD in eine Art Konfrontation mit den Vereinen gerät. Das haben wir nie gewollt. Aber wir müssen doch unser Publikum über das Wichtigste informieren. Und Fußball ist ein Ereignis, das größtes Interesse findet. Daran können wir nicht vorbeigehen. Und deshalb müssen wir dieser Pflicht nachkommen. Das Bundesverfassungsgericht hat uns dieses Recht ausdrücklich bestätigt. Moderator: Fußball muss passieren in der Öffentlichkeit. Was heißt denn das fürs Radio? Denn es gibt ja auch viele Leute, die samstags nachmittags WDR 2 hören. Hat dieses rechtliche Gezerre irgendwelche Konsequenzen für uns hier? Pleitgen: Das glaube ich nicht. Wir sind mit der Deutschen Fußball-Liga im Gespräch, um eine Hörfunkberichterstattung auf gutem Niveau zu sichern. Das ist so gut wie abgeschlossen und hat mit den Fernsehverhandlungen, die wir mit Kirch führen, nichts zu tun. Es sollte auch tunlichst nicht gekoppelt werden. Da ist so viel Emotion drin. Das weiß ich aus den Reaktionen der Politik und der Öffentlichkeit. Nein, worauf wir hinaus wollen, ist eine vernünftige Regelung mit der Kirch-Gruppe zu finden, dass die Topspiele der Fußball-Bundesliga am Samstag in der "Tagesschau" gezeigt werden können. Und ich denke, es gibt noch ein paar Tage Zeit, dass dieses Ziel erreicht wird. Moderator: ISPR verweigert der ARD weiterhin vertragliche Berichterstattung. ARD-Vorsitzender Fritz Pleitgen war im Studio. - Vielen Dank. ots Originaltext: ARD Radio & TV Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Rückfragen: ARD-Sprecher Rüdiger Oppers Tel. 0221/220-1867 Original-Content von: ARD Radio & TV, übermittelt durch news aktuell

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