Frau im Spiegel

Bettina Wulff: "Früher wollte ich Theologie studieren"

München (ots) - "In jungen Jahren hatte ich ernsthaft überlegt, ob ich Theologie studiere und Pastorin werde", verrät Bettina Wulff (43) im Interview mit der Zeitschrift FRAU IM SPIEGEL. Ihr Umfeld habe ihr das damals irgendwie ausgeredet. "Ich bekam zu hören, dass man in die ,sichere Arbeitslosigkeit' hineinstudieren würde, weil es immer weniger Gemeinden und damit weniger Pastoren-Stellen geben würde."

Ab und zu bereue sie ihre Entscheidung. "Aber ich habe auch so meinen Weg gefunden", so die ehemalige First Lady. "Theologie ist ein aufwändiges Studium, ich hätte das große Latinum, das Graecum nachholen und Hebräisch lernen müssen. Das wäre ein langwieriges Studium mit unsicherem Ausgang gewesen."

Am nächsten war Gott ihr "bei der Geburt meiner beiden Söhne". Die Geburt sei eine Situation, in der man sich einerseits komplett auf seinen Körper verlasse. "Und andererseits gab es den Moment, in dem ich darauf vertraut habe, dass man mir hilft", erinnert sie sich. "Natürlich auch medizinisch, aber ich hatte auch Vertrauen, dass Gott mich stützt. Einen Menschen auf die Welt zu bringen, ist unglaublich! Wenn man am Ende ein kleines Wesen im Arm hält, hat das etwas wirklich Göttliches!"

Bettina und Christian Wulff leben eine ökumenische Ehe. "Er ist katholisch, ich bin evangelisch. Seine Tochter aus erster Ehe ist katholisch, unsere Söhne sind evangelisch", sagt Bettina Wulff. "Wir vermitteln den Kindern christliche Werte - Nächstenliebe, sich um andere Menschen kümmern oder wie man betet. Wir beten zwar nicht mehr regelmäßig vor dem Essen, aber mir ist wichtig, dass beide Jungs mit Gottes Segen einschlafen." Das sage sie ihnen jeden Abend. "Das ist ein Ritual, das einen sicher besser schlafen lässt. Ich versuche auch ab und zu, mit ihnen in die Kirche zu gehen - das ist aber bei uns kein Zwang." Ihr großer Sohn sei gerade konfirmiert worden. "Was mich freut - es war seine eigene Entscheidung. Und was mich noch mehr freut: Dass er jetzt freiwillig in eine kirchliche Jugendgruppe geht."

Vor zwei Jahren haben Bettina und Christian Wulff noch einmal kirchlich geheiratet. "Das war für mich und meinen Mann wichtig - gerade nach den schweren Zeiten, die wir hinter uns hatten", erzählt sie FRAU IM SPIEGEL. "Wir hatten uns wieder gefunden. Für mich war es wichtig, vor Gott zu bezeugen und einander zu bezeugen, dass wir zusammen bleiben, dass wir ein Paar sind - auch in unserem gemeinsamen Glauben. Wir haben ökumenisch geheiratet, mit einem evangelischen Pastor und einem katholischen Pfarrer. Das war ein ganz besonderer Akt."

Die engagierte Christin geht "dauernd" zum Innehalten in die Kirche. "Ich liebe die Atmosphäre in der Kirche", erklärt Bettina Wulff. "Manchmal genieße ich auch nur den Moment der Ruhe dort, und ich finde es schön, anderen Menschen zu begegnen, die dasselbe Empfinden haben."

Daran gedacht, aus der Kirche auszutreten, hat Bettina Wulff "nie". Sie sei in einem christlichen Haushalt groß geworden, auch wenn sie als Familie nicht regelmäßig in die Kirche gegangen seien. "Und mich hat der christliche Glaube schon immer fasziniert." Mit Gott gehadert hat sie in ihrem Leben "bisher persönlich nicht". Aber sie wisse, dass diese Momente jederzeit kommen können. "Es gab in meiner Familie schwere Zeiten, die haben mich aber nie an meinem Gottvertrauen zweifeln lassen. Schaue ich mir Kriege, Terrorismus und Katastrophen in der Welt an, dann hadere ich schon. Wir können Gott aber nicht für all unsere von Menschen gemachten Desaster verantwortlich machen."

Die 43-Jährige betet in guten wie in schlechten Zeiten. "Ich habe ein tägliches Ritual, das ich pflege, aber es ist nicht immer nur ein Gebet, es ist auch ein Innehalten, Prioritäten setzen für den Alltag und für mich selbst", erläutert sie. "Zudem bete ich, wenn ich dankbar bin, weil ich das Leben als Geschenk empfinde - und ich bitte Gott manchmal um etwas."

Und was macht ihr heute Angst, wenn sie die Nachrichten liest? - "Ich weigere mich, dass Ängste in meinem Leben vermehrten Platz einnehmen und möchte mich weiterhin für ein friedliches und freiheitliches Zusammenleben in unserem Land und in unserer Gesellschaft stark machen", so Bettina Wulff. "Und das basiert auf christlichen Grundwerten wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Angst ist ein sehr schlechter Berater, um für seine Überzeugung einzustehen. Ich denke positiv."

Ob sie einen Wunsch für dieses Jahr hat? - "Ich treffe durch meine ehrenamtliche Arbeit oft auf Menschen, darunter auch Kinder und Jugendliche, denen es wirklich schlecht geht. Plötzlich ist in diesen Familien von einem auf den anderen Tag alles anders, weil sie krank werden. Bei uns sind alle gesund, dafür bin ich wirklich dankbar. Meine Ansprüche und Wünsche halten sich daher in Grenzen."

Bettina Wulff tritt in diesem Jahr anlässlich des Reformations-Jubiläums als "Reformations-Botschafterin" der Evangelischen Kirche neben Prominenten wie Margot Käßmann (59), Jürgen Klopp (49) und Eckart von Hirschhausen (49) auf.

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