Frau im Spiegel

Senta Berger: "Das Alter ist ein Kapitel, mit dem du fertig werden musst"

München (ots) - Senta Berger freut sich auf ihren 75. Geburtstag im Mai. Das betont die Schauspielerin im Interview mit der Zeitschrift FRAU IM SPIEGEL. Vor zwei Jahren hatte sie wegen einer schweren Lungenentzündung eine Auszeit nehmen müssen. "Es war ein tiefer Einschnitt in meinem Leben", bekennt Berger gegenüber FRAU IM SPIEGEL. "Es hätte damals auch anders ausgehen können. Den Gedanken, dass man dankbar fürs Leben ist, wenn man morgens aufwacht und sich über das Singen der Vögel freut, den hatte ich schon immer, aber jetzt bin ich mir dessen noch bewusster."

Ein Vorteil des Alters fällt ihr nicht ein. "Das Alter ist ein Kapitel, mit dem du fertig werden und dich erst einmal einfinden musst", erklärt Senta Berger. "Dafür gibt es kein Rezept und kein Vorbild. Man muss auf sich achten - das sollte man allerdings auch schon, wenn man noch jünger ist, aber im Alter wird es immer wichtiger." Sie sei dankbar dafür, dass sie noch hell sei im Kopf und sich bewegen könne. Nur mit den Namen hapere es. "Da werde ich vergesslich."

Für ihren Geburtstag wünscht sie sich gutes Wetter. "Wenn das Wetter schön ist, bin ich einfach ein besserer Mensch. Vielleicht gehen wir mit der Familie essen - oder wir setzen uns in unseren traumhaften Garten. Zu Hause ist es schöner als irgendwo anders", so die gebürtige Wienerin mit Wohnsitz in München.

Inzwischen feiern drei Enkel mit, der jüngste kam im vergangenen August zur Welt. Ob sie Babysitten müsse? - "Ich habe wunderbare Enkelsöhne, aber zum Babysitten hatte ich noch keine Gelegenheit - oft war ich in letzter Zeit nicht da, habe gedreht", erklärt Senta Berger, die zu den beliebtesten Schauspielerinnen in Deutschland gehört. "Die Schauspielerei ist auch für junge Leute ein Knochenjob - das wissen auch meine Schwiegertöchter. Wenn ich sage ,Wir sehen uns so selten', dann antworten sie, weil sie weiser sind als ich: ,Es kommen noch andere Zeiten und Gelegenheiten.' Wir sind trotzdem sehr eng miteinander."

Was sie am Tag ihrer Goldenen Hochzeit im September machen wird, weiß sie noch nicht hundertprozentig. "Ich glaube, ich werde mit Michael auf die Wiesn gehen. Wir gehen jedes Jahr aufs Oktoberfest, wenn wir nicht verreisen", erzählt Senta Berger. "Ich bin zu dieser Zeit meistens in München, weil wir im Herbst ,Unter Verdacht' drehen. Dass wir zum Hochzeitstag mal verreist sind, das ist lange her, das war noch vor der Zeit von ,Unter Verdacht'. Damals waren wir in Rom." Sie komme viel herum auf der Welt, "aber nicht am Hochzeitstag".

50 Jahre Ehe: War das mehr Glück oder Arbeit? - "Beides gehört dazu", findet die Schauspielerin. "Man geht zusammen durchs Leben, da kann man nicht ganz unbeschädigt durchkommen. Das muss man wissen. Aber die 50 Jahre waren schon sehr schön!"

Über 100 Kinofilme hat die Power-Frau im Laufe ihrer Karriere gedreht. Ihre Filme haben meistens ein Anliegen - auch ihr neuester "Ein Richter" aus der ZDF-Reihe "Unter Verdacht" (23. April, 20.15 Uhr). Eva Prohacek werden einige Vorschriften in dem TV-Film auferlegt. Senta Berger selbst befolgt Vorschriften - auch die, die sie einsieht - ungerne. "Aber ich denke mir: Das muss sein, wir sind Teil eines Gemeinwesens. Man sollte in meinem Alter vernünftig sein. Als ich jung war, hat mich jede Vorschrift herausgefordert - vor allem in der Schule. Ich war rebellisch, vermutlich auch sehr unangenehm für einige Lehrer. Ich hatte immer einen flotten Spruch auf den Lippen und habe furchtbar viel diskutiert. Das war die schlimmste Zeit der Pubertät."

Es stecke noch eine ganze Menge Rebellin in ihr. "Sonst würde ich diese Geschichten, die wir mit ,Unter Verdacht' erzählen wollen, gar nicht erzählen. Es ist ja keine gängige Fernsehware, das ist schon etwas Besonderes." Dieses ist ihr 24. "Unter Verdacht"-Film. Ob sie weiß, wie lange die ZDF-Reihe noch laufen wird? - "Wir werden in diesem Jahr noch zwei Folgen drehen, im nächsten Jahr noch eine - und das ist dann der letzte Film", sagt Senta Berger. Davor scheue sie sich ein wenig, denn sie könne nicht gut Abschied nehmen.

Ob es ein Projekt mit ihrem Sohn oder Mann geben wird? - "Ich werde in Simons Kinofilm ,Willkommen bei den Hartmanns', eine Gesellschaftssatire, mitspielen", so die 74-Jährige. "Wir drehen ab Mai. Es geht um eine wohlsituierte Familie. Die Mutter entschließt sich, tatkräftig etwas zu tun - sie nimmt einen Flüchtling auf."

Das Flüchtlingsthema beherrscht die Öffentlichkeit. Auch Senta Berger macht sich Gedanken über dieses Thema. "Es ärgert mich, dass wir falsch informiert werden", sagt sie. "Wir sollten sehen, dass die Leute, die bereits im Land sind, sich einleben können." Integration werde vielleicht nur über die Kinder gehen. "Das ist ein sehr langer gesellschaftlicher Prozess. Und nicht jeder von uns ist bereit, ihn einzugehen. Schon im September fiel der Satz: ,Die Flüchtlinge, die jetzt kommen, werden mal unsere Renten zahlen.' Ich finde, das darf man doch nicht sagen! Man muss bei der Wahrheit bleiben und aufklären: Die Flüchtlinge werden erst einmal viel Geld kosten. Jahrelang!"

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