Frau im Spiegel

Philipp Rösler wickelt, füttert und bringt den Müll raus

München (ots) - "Windeln wechseln, füttern oder Müll rausbringen gehört zum Alltag und wird auch von mir erledigt", sagt Philipp Rösler (37) im Interview mit der Peoplezeitschrift FRAU IM SPIEGEL. Seine Frau Wiebke (32) und er hätten sich vorgenommen, die Zwillingstöchter Gesche und Grietje (19 Monate) liberal zu erziehen, "jedoch ohne die Anerkennung von Autorität zu vernachlässigen", verrät der Gesundheitsminister. "Aber ich habe leicht reden", so Rösler. Er sei ja selten daheim in Hannover. "Also kann es bereits beim Thema ,Dürfen die Kinder Schokolade essen?' passieren, dass ich als Bundesgesundheitsminister, der sich für Gesundheit, Bewegung und Ernährung einsetzt, durchaus mal Schwäche zeige."

Der in Vietnam geborene Polit-Star schläft in Berlin noch immer im angrenzenden Raum direkt hinter seinem Schreibtisch. Immerhin habe er es in den letzten sieben Monaten geschafft, sich zumindest mal eine Wohnung anzuschauen. "Doch selbst wenn ich schon eine Wohnung in Berlin hätte, würde mir die Zeit fehlen, sie zu genießen." Seine Familie vermisst er in der Hauptstadt "jeden Tag". Aber es gebe "Dinge, die lassen sich nicht ändern. Damit muss ich leben."

Und wie hält er Kontakt zu seinen Töchtern - übers Telefon? - "Sie telefonieren zwar mit allem, was sie finden können, aber wenn sie mal das richtige Telefon am Ohr haben, sind sie eher schüchtern. Unser Gespräch ist dann meist sehr einseitig", sagt er. Im Moment beschränke sich ihre Zeit vorwiegend aufs Wochenende. "Aber ich will nicht jammern, da ich dieses Schicksal mit anderen Vätern oder Müttern teile." Die Familie sei seine Kraftquelle, unabhängig vom Wohnort, betont der 37-Jährige. "Und natürlich freue ich mich jedes Mal, wenn ich heimkomme und die Politik in den Hintergrund tritt." Ob er überhaupt abschalten kann? - "Wir haben Zwillinge, da ist immer etwas los. Somit komme ich sehr schnell weg vom Job", erklärt der Politiker.

Als Minister werde er nicht von vorn bis hinten hofiert, und er wolle das auch gar nicht. "Ich bekomme jedoch organisatorisch vieles abgenommen. Deshalb müssen Sie sich immer wieder selber überprüfen, ob Sie auch ohne können, denn jedes Amt ist ein Amt auf Zeit. Privat erledige ich Dinge selbst - vom Einkauf über die Urlaubsplanung bis hin zum Umzug."

Echte Freunde hat Philipp Rösler "aus Schulzeit, Studium und sogar aus dem politischen Bereich". Die Qualität seiner Freundschaften sei geblieben, aber die gemeinsamen Aktivitäten seien andere. "Früher ist man mit den Freunden losgezogen, hat etwas unternommen, ist in die Disco oder ins Kino gegangen. Jetzt haben wir alle unsere Familien. Also treffen sich Wiebke und ich mit Freunden eher zu Kaffeerunden, während die Kinder im Garten spielen." Auf die Frage, ob Guido Westerwelle ein Freund ist, antwortet er: "Ich kann auf ihn zählen und er auf mich, auch privat. So ist das unter Freunden."

Mit 45 Jahren will Rösler die aktive Politik verlassen. Was wäre, wenn die Partei ihn aber dringend braucht? - "Das ist eine sehr beliebte Ausrede", meint Philipp Rösler. "Wir haben in der FDP gute Politiker, wie Daniel Bahr oder Christian Lindner." Er bleibe immer noch dabei: Mit 45 Jahren ist Schluss.

Philipp Rösler kam mit neun Monaten aus einem Waisenhaus bei Saigon nach Norddeutschland, wo er von einem deutschen Ehepaar adoptiert wurde. Seine Berufung zum Bundesgesundheitsminister war für ihn eine Überraschung: Eigentlich hatte er sich mit seiner Frau und den Zwillingen auf ein ruhigeres Leben im neuen Eigenheim in Hannover gefreut.

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