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Der Tagesspiegel: NPD darf Immobilie in Biesenthal nicht mehr für Veranstaltungen nutzen
Aus für Schulungen und Konzerte rechtsextremer Bands

Berlin (ots)

Potsdam - Die NPD hat mit Immobilien in Brandenburg
wenig Erfolg. Das Gut Johannesberg in Rauen ist verloren, nun müssen 
die Rechtsextremisten auch das Refugium in einem früheren 
Stasikomplex in Biesenthal (Kreis Barnim) weitgehend abschreiben. 
Nach Informationen des Tagesspiegels hat die Kreisverwaltung im Juni 
ein bauordnungsrechtliches Nutzungsverbot für ein zentrales Gebäude 
auf dem Areal ausgesprochen. Damit sind größere Veranstaltungen in 
dem Plattenbau nicht mehr möglich. Hier traten bereits braune Bands 
auf, außerdem schulte die NPD Mitglieder, die in der Kommunalpolitik 
mitmischen oder als Kandidaten bei Wahlen antreten.
    "Das Gebäude ist für die NPD aus bauordnungsrechtlicher Sicht 
wertlos", sagte am Freitag Vize-Landrat Carsten Bockhardt (CDU). Im 
ehemaligen Flüchtlingsheim hätten Konzerte und Schulungen 
baurechtlich überhaupt nicht stattfinden dürfen. Das Nutzungsverbot 
"trifft die NPD hart", hieß es in Sicherheitskreisen. 
Parteifunktionäre suchten in Brandenburg bereits ein neues Quartier.
     Im vergangenen Jahr waren Rechtsextremisten auf dem 
verwahrlosten und versteckt liegenden Gelände am Rande von Biesenthal
eingerückt. Zu DDR-Zeiten unterhielt hier die Stasi einen Stützpunkt,
er wurde später zum Heim für Asylbewerber umfunktioniert. Das Areal 
gehört einer Immobilienfirma, die NPD kann das Gelände über eine 
verknäuelte Miet-Konstruktion nutzen. Am 13. Juni hätte wieder ein 
Konzert rechtsextremer Bands stattfinden sollen, doch es wurde durch 
das Nutzungsverbot der Kreisverwaltung verhindert. Zuvor waren am 1. 
Mai noch Bands wie "Tätervolk" und "Exzess" aus 
Mecklenburg-Vorpommern in Biesenthal aufgetreten, vor etwa 200 
Rechtsextremisten. Die Gruppe "Tätervolk" war auch für den 13. Juni 
angesagt.
   Im März hatte die Polizei ein Konzert unterbunden. Nach einem 
Treffen Anfang August 2008 geriet eine Szene-Anführerin aus Berlin 
ins Visier der Justiz. Die Ex-NPD-Funktionärin Gesine Hennrich muss 
sich vor dem Amtsgericht Bernau verantworten, der Vorwurf der 
Staatsanwaltschaft lautet Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz. 
Hennrich soll in Biesenthal über eine Musikanlage sechs indizierte, 
rechtsextreme Lieder abgespielt haben, im Beisein Minderjähriger.
NPD-Mitglieder und andere Neonazis, darunter Mitglieder einer 
Kameradschaft, hätten sich zweimal pro Monat auf dem Areal getroffen,
berichteten Sicherheitsexperten. Es sei nicht auszuschließen, dass 
weiterhin Rechtsextremisten kämen, obwohl die Immobilie nicht mehr im
gewünschten Umfang zu nutzen ist.
    Im Fall des Gutshofs in Rauen, in dem die NPD auch ein 
Schulungszentrum einrichten wollte, gab das Landgericht Frankfurt 
(Oder) im Juni der Räumungsklage der Eigentümer statt.
Die Informationen stehen Ihnen bei Nennung der Quelle Tagesspiegel
zur Verfügung.
 Frank Jansen (Tel.: 030 - 26009 - 0)

Pressekontakt:

Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-308
Fax: 030-260 09-622
cvd@tagesspiegel.de


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