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Der Tagesspiegel: Streit um Verfassungsgerichts-Vize: Unionsfraktion beharrt auf neuem Kandidaten

Berlin (ots)

Berlin - Im Streit um den Kandidaten für das
Vizepräsidentenamt des Bundesverfassungsgerichts, Horst Dreier, denkt
die Union nicht an ein Einlenken. Die Unionsfraktion im Bundestag 
stehe voll hinter der Position der Unionsländer, sagte 
Fraktionsjustiziar Hermann Gröhe (CDU) dem Berliner "Tagesspiegel" 
(Mittwochsausgabe). "Die Ablehnung im Bundesrat ist einhellig, und 
wir tragen das uneingeschränkt mit". Gröhe stellte sich damit gegen 
den rechtspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Gehb, der 
den Würzburger Staatsrechtler in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" als 
"exzellenten Fachmann" gelobt und für mehr Gelassenheit hinsichtlich 
seiner umstrittenen Ansichten zu Bioethik und Folterverbot geworben 
hatte. Die Regierungchefs von Bremen und Baden-Württemberg, Jens 
Böhrnsen (SPD) und Günter Oettinger (CDU), die die Richterwahl zu 
koordinieren haben, sind für diese Woche zu weiteren Gesprächen 
verabredet.
Mit der "verkorksten Situation" sei keiner glücklich, sagte Gröhe.
Besser wäre es gewesen, wenn man den Namen vorher "intern ventiliert"
hätte. Für den Verfassungsgerichts-Vize habe die SPD im Bundesrat 
zwar das Vorschlagsrecht. Dies müsse aber im Konsens geschehen. 
Bislang weigert sich die SPD, ihren Kandidaten zurückzuziehen. 
Böhrnsen stehe zu Dreier, sagte dessen Sprecher Hermann Kleen dem 
"Tagesspiegel". Man müsse einen Richter nach seiner Gesamtleistung 
beurteilen. Auch sei es "eher positiv, wenn ein Jurist mal Gedanken 
gegen die herrschende Meinung vertritt".
Der Streit folge keinem "Rechts-Links-Schema", betonte Gröhe. 
Vielmehr gehe es darum, dass Dreier den Menschenwürde-Begriff des 
Grundgesetzes in sehr umstrittener Weise kommentiert habe. So halte 
er eine Aufweichung des Folterverbots unter bestimmten Umständen 
nicht nur für entschuldbar, sondern "sogar für rechtmäßig". Zudem 
vertrete Dreier die These, dass das Leben vor der Geburt weniger 
schutzwürdig ist. Es sei bezeichnend, dass bereits "Hilferufe" aus 
Kirchen wie Menschenrechtsorganisationen eingegangen seien, sagte 
Gröhe.  Nun müsse man der SPD die Sache erklären. "Mit einem Gespräch
werden wir da wohl nicht auskommen."
Bei Rückfragen: 030/7262626-12 (Rainer Woratschka) oder 
030/26009-389 (Politikredaktion).

Pressekontakt:

Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-308
Fax: 030-260 09-622
cvd@tagesspiegel.de


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