Deutsche Umwelthilfe e.V.

Wer soll die Energiewende bezahlen - Wir oder unsere Kinder?

Berlin (ots) - Pressemitteilung

Wer soll die Energiewende bezahlen - Wir oder unsere Kinder? DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake: Kosten der Energiewende nicht der nächsten Generation aufbürden - Im Streit um die Ökostromkosten werden positive Effekte der Energiewende systematisch unterschlagen - Deutsche Umwelthilfe sieht "merkwürdige Allianz aus Interessenpolitik und Rechthaberei" - Nach der Entscheidung über längere AKW-Laufzeiten kommt der Kampf gegen des Erneuerbare Energien Gesetz auf Touren

Die Deutsche Umwelthilfe hat die Reaktionen der Industrie, von Teilen der Wissenschaft und auch von Verbraucherschützern auf die prognostizierte rechnerische Steigerung der Umlagekosten für Strom aus Erneuerbaren Energien als "teils interessengeleitet, teils alarmistisch" bezeichnet. "Wir alle wissen, dass wir auf Erneuerbare Energien umsteigen müssen. Eine Energiezukunft ohne atomare Katastrophenrisiken und ohne weltweites Klimachaos ist nicht zum Nulltarif zu haben", sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. Die Polemik der "Alarmisten und Besitzstandswahrer" sei auch Ausdruck eines Generationenkonflikts. "In letzter Konsequenz geht es um die Frage, ob die Generation, die Atomrisiken und Klimawandel zu verantworten hat, auch für die Kosten der Energiewende gerade steht oder ob sie die Begleichung der Rechnung ihren Kindern überlässt".

Nach der am heutigen Freitag bekannt gegebenen Prognose wird die vor allem von den privaten Stromverbrauchern und nicht privilegierten Teilen von Handel und Industrie zu zahlende Ökostromumlage im Jahr 2011 rechnerisch von gut 2 Cent pro Kilowattstunde auf etwa 3,5 Ct/kWh ansteigen. Gründe für die erhebliche Erhöhung der Umlage sind erstens der massive Ausbau der privaten Solarstromanlagen, der durch eine monatelange Hängepartie bei der Neufestsetzung der Vergütung in diesem Jahr angeheizt wurde, zweitens die durch die Wirtschaftskrise vergrößerte Differenz zwischen dem gefallenen Strompreis an der Börse und den Erlösen für den EEG-Strom und drittens ein notwendiger gewordener Ausgleich für die zu geringe Umlage im Jahr 2009. Allerdings werden bei der von der Traditionswirtschaft, Teilen der Wissenschaft und auch Verbraucherschützern lautstark vorgetragenen Klage über die Belastungen der Stromkunden erneut die positiven Effekte des Ökostrombooms unterschlagen.

"In der Auseinandersetzung geben einerseits potenzielle Verlierer der Energiewende und andererseits Verbraucherschützer den Ton an, von denen ausweislich sämtlicher Umfragen die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger gar nicht geschützt werden will", sagt Gerd Rosenkranz, der Leiter Politik und Presse der DUH. "Wir erleben eine merkwürdige Allianz aus Interessenpolitik und Rechthaberei".

In Wahrheit habe der von der Politik und der Mehrheit der Bevölkerung gewollte Ausbau der Erneuerbaren Energien gleichzeitig Preis treibende und Preis senkende Effekte. So führe der wachsende Anteil Erneuerbarer Energien zu einer Senkung der Preise an der Leipziger Strombörse, weil die am teuersten produzierenden konventionellen Kraftwerke nicht mehr oder immer seltener hochgefahren werden müssen. Allein dieser so genannte "Merit Order Effekt" senkt den Preiseffekt der für 2011 auf insgesamt 13 Mrd. Euro geschätzten EEG-Umlage um etwa 4 Mrd. Euro.

In der volkswirtschaftlichen Rechnung ersparen die Erneuerbaren Energien Deutschland darüber hinaus Importkosten für fossile Energieträger in Höhe von ca. 5,7 Mrd. Euro (2009), sie vermeiden Umweltschäden in Höhe von etwa 7,8 Mrd. Euro. Die zusätzliche kommunale Wertschöpfung betrug im vergangenen Jahr 6,8 Mrd. Euro und mitten in der Weltwirtschaftskrise wuchs die Beschäftigtenzahl 2009 - laut einer soeben veröffentlichten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Bundesumweltministers - um 60.000 gegenüber 2007 auf nun 340.000. Dem Klima ersparten die Erneuerbaren im vergangenen Jahr CO2-Emissionen in Höhe von 109 Millionen Tonnen. Die Branche insgesamt setzte 2009 an Investitionen und im Anlagenbetrieb rund 37,5 Mrd. Euro um. "All dies gehört in eine ehrliche Gesamtrechnung", erklärt Rosenkranz.

Die EE-Branche selbst sieht die Preissteigerungen schon in wenigen Jahren an ihrem Zenit, bevor die Umlage dann wieder sinkt. Die anfallenden Mehrkosten bleiben kalkulierbar, weil Strom aus traditionellen Kraftwerken auf Basis von fossilen Brennstoffen wegen der Verknappung der Rohstoffe und zusätzlichen Umweltauflagen absehbar immer teurer wird, während sich der Preis für eine Kilowattstunde Ökostrom wegen des technischen Fortschritts weiter stetig verbilligt.

Die DUH weist darauf hin, dass fast alle privaten Haushalte, aber auch Unternehmen noch über große Potenziale zum effizienteren Stromeinsatz verfügen. "Steigende Strompreise können auch ein Anlass sein, zu Hause nach Einsparmöglichkeiten zu suchen und so die Kosten stabil zu halten", appelliert Rosenkranz an die Verbraucher. Allein die Abschaltung überflüssiger Stand-by-Schaltungen würde ausreichen, zwei Atomkraftwerke arbeitslos zu machen - und nebenbei Umwelt und Geldbeutel entlasten.

Pressekontakt:

Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer, Hackescher Markt 4, 10178
Berlin; Mobil: 0151 55016943, Tel.: 030 2400867-0, E-Mail:
baake@duh.de

Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik und Presse, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin; Mobil: 0171 5660577, Tel.: 030 2400867-0, E-Mail:
rosenkranz@duh.de

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