Deutsche Umwelthilfe e.V.

Von wegen Transparenz: Unternehmen mauern bei CO2-Ausstoss von Dienstwagen

Berlin (ots) - Deutsche Umwelthilfe erteilt 88 von 115 befragten deutschen Unternehmen die "rote Karte" für undurchsichtigen Klimaschutz in der Firmenwagenpolitik - Nur 17 Unternehmen nehmen Nachhaltigkeitsverpflichtung ernst und machen detaillierte Angaben über den CO2-Ausstoß der Vorstands-Dienstfahrzeuge und der Firmenflotten - OSC AG, Deutsche Bahn und Phoenix Solar unterschreiten mit 123 - 127 Gramm CO2/km schon heute in ihrer Gesamtflotte den Klimaschutz-Zielwert der EU für 2015 - Dr. Andreas Hänel von Phoenix Solar ist der Vorstandsvorsitzende mit dem klimaverträglichsten Dienstwagen

Deutsche Unternehmen geben sich gern umweltbewusst, nachhaltig und transparent. In bunten Broschüren und eindrucksvollen Internetauftritten werden die Leistungen für Umwelt und Gesellschaft vorgestellt und die Bürger zum Dialog mit dem Unternehmen aufgefordert. Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) hat das Dialogangebot angenommen und die Probe aufs Exempel gemacht: Die DUH wollte von 115 führenden Unternehmen Deutschlands erfahren, mit welchen Strategien der CO2-Ausstoß der Fahrzeugflotte gesenkt werden soll, wie hoch der aktuelle CO2-Ausstoß der Flotte ist und mit welchem Dienstwagen der Vorstandsvorsitzende als gutes Beispiel vorausfährt. Der Realitätscheck zeigt: Beim Thema Auto hört für viele Firmen Transparenz und betriebsinterner Klimaschutz gleichermaßen auf.

Nur 17 von 115 befragten Unternehmen legen klimarelevante Daten über die Dienstwagen von Vorstand und Firma offen und erhalten dafür die "Grüne Karte" der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH). Gerade mal zehn weitere Unternehmen veröffentlichen zumindest den CO2-Ausstoß der gesamten Dienstwagenflotte ihres Unternehmens und bekommen so immerhin noch die "Gelbe Karte". Erschreckend ist die hohe Zahl an Verweigerern: 88 Unternehmen sind nicht bereit, Auskunft über den Spritverbrauch und den CO2-Ausstoß von Vorstandslimousinen oder Firmenautos zu geben. Sie erhalten dafür die "Rote Karte" für nachhaltige Intransparenz und undurchsichtige Klimaschutzziele.

Spitzenreiter mit den niedrigsten CO2-Emissionen bei Vorstandsfahrzeugen und Dienstwagenflotte sind ein mittelständisches Unternehmen und ein Großkonzern: Das Solarunternehmen Phoenix Solar AG steht sowohl mit einem CO2-Wert für die Firmenflotte von 127 Gramm CO2/km an der Spitze als auch mit 129 Gramm CO2/km für das Vorstandsfahrzeug. Die Deutsche Bahn AG schafft sogar einen durchschnittlichen CO2-Wert für die Fahrzeugflotte von nur 125 Gramm CO2/km und 152 Gramm CO2/km für den Gesamtvorstand. Bahnchef Grube ist mit 191 Gramm CO2/km im Mittelfeld und hat noch Raum für individuelle Verbesserungen. Den insgesamt niedrigsten Flottenverbrauch hat das mittelständische Telekommunikationsunternehmen QSC AG mit 123 Gramm CO2/km, allerdings fährt hier der Vorstand mit exakt dem doppelten CO2-Ausstoß mit schlechtem Beispiel voraus.

"Der Gesamtsieger, die Phoenix Solar AG hat ihr Unternehmensziel - eine klimaschonende Energiegewinnung - offensichtlich auch in eine unternehmensinterne Strategie für Energieeffizienz und Klimaschutz verinnerlicht", sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH). "Am Beispiel Deutsche Bahn AG sieht man, dass auch Großunternehmen in der Lage sind, schon heute den Ausstoß an CO2 unter den EU-Zielwert für 2015 zu drücken", sagte Resch. Auf einem guten Weg sieht die DUH mit der Pfeiffer Vacuum GmbH und der Telekom AG einen weiteren Mittelständler und ein Großunternehmen: Pfeiffer erreicht im Flottenverbrauch derzeit exakt 140 Gramm CO2/km, der CO2-Ausstoß des Geschäftsführers liegt mit 165 Gramm CO2/km nur knapp darüber. Auf einem guten Weg ist auch die Telekom AG mit einem Flottenverbrauch von 146 Gramm CO2/km und einem CO2-Ausstoß des Dienstwagens von Vorstandschef Rene Obermann von 173 Gramm CO2/km.

"Die Liste der mit der Roten Karte ausgezeichneten Klimaschutz-Ignoranten liest sich leider wie das 'Who is who' der deutschen Wirtschaft. Kein deutscher Automobilhersteller und interessanterweise auch keiner der großen Energieversorger wollte Angaben über den CO2-Fußabdruck der selbst genutzten Firmenwagen machen. BASF, BMW, Continental, Daimler, Linde, Lufthansa, MAN, Metro, Münchner Rück, Praktiker, SAP, Solarworld und Volkswagen sind prominente Vertreter der Informations-Verweigerer", sagte Resch. "Insgesamt ist das klimapolitische Profil der führenden Unternehmen hierzulande jenseits der bunten Welt der Nachhaltigkeitsberichte noch erschreckend konturlos. Daher wird die DUH diese Umfrage nun - analog zur Ermittlung der Klimaschutzwerte der Landes- und Bundespolitiker - jährlich erheben."

Nach Ansicht der DUH hat sich die Mehrheit der Unternehmen noch gar keine Gedanken über die Vorbildfunktion des CO2-Ausstoßes der Autos ihrer Vorstandsrepräsentanten gemacht und wolle dementsprechend das Nichtstun selbstverständlich für sich behalten. "In den Nachhaltigkeitsberichten aller Unternehmen reden Vorstandschefs von ihrer Verantwortung für Mensch und Umwelt, doch kommen sie dieser Verantwortung eben nicht nach, wenn sie weiterhin Spritfresser und Klimakiller als Dienstwagen fahren."

Resch forderte die Vorstandschefs zu einem Umdenken in der Dienstwagenpolitik auf Unternehmen sollten den CO2-Ausstoß von den Hierarchien entkoppeln und nicht länger dem oberen Management höhere CO2-Emissionen zubilligen als dem mittleren Management. "Vorstände und Topmanager sollten mit gutem Beispiel vorangehen und ausnahmslos Fahrzeuge einsetzen, die den EU-Zielwert 140 Gramm CO2/km für das Jahr 2008 unterschreiten. Zwischenzeitlich bieten deutsche und japanische Hersteller mehrere Limousinen mit diesen Werten an."

Zur Umfrage selbst: Die Deutsche Umwelthilfe hat 115 führende, größtenteils börsennotierte Unternehmen in Deutschland zwischen Juni und August 2010 nach deren Dienstwagenpolitik befragt. Obwohl ein Großteil der Unternehmen selbst Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht oder Mitglied des selbsternannten "Forums Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft" ist. Damit haben sich die Unternehmen zwar zur Auskunft über ihr Unternehmenshandeln verpflichtet, doch die Auskunftsbereitschaft war ausgesprochen unterentwickelt. Trotz mehrmaligen Nachfragens zeigten sich nur 17 Unternehmen auskunftsfreudig, zehn weitere haben immerhin teilweise über ihre Dienstwagen Auskunft gegeben. Die Mehrheit (76 Prozent) allerdings schweigt über Dienstwagen und CO2-Emissionen der Unternehmensautos.

Die ausführlichen Ergebnisse unserer Erhebungen finden Sie unter http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews[tt_news]=2384

Pressekontakt:

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer, Deutsche Umwelthilfe e. V.,
Hackescher Markt 4, 10178 Berlin; Mobil: 0171 3649170, resch@duh.de

Barbara Göppel, Deutsche Umwelthilfe e.V., Hackescher Markt 4, 10178
Berlin, Tel.: 030 2400867-74, 0170 7686923, goeppel@duh.de

Ulrike Fokken, Sprecherin Politik & Presse, Deutsche Umwelthilfe
e.V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-22,
0151 55017009, fokken@duh.de

Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Deutsche Umwelthilfe e.V.

Das könnte Sie auch interessieren: