journalist-Interview mit Spiegel-Chef Georg Mascolo: "Die langweiligste Vorstellung wäre ein Spiegel, der vollständig berechenbar ist"
Bonn (ots) - Seit sechs Monaten verantwortet Georg Mascolo die Printausgabe des Spiegels alleine. Im Interview mit dem Medienmagazin journalist stellt sich der Chefredakteur einer Generalkritik. Darin verteidigt Mascolo Stil und Profil des Hamburger Nachrichtenmagazins. "Die langweiligste Vorstellung wäre ein Spiegel, der vollständig berechenbar ist." Von einer Einordnung nach den Kriterien "links" oder "rechts" hält Mascolo nichts. "Der Spiegel muss die Dinge darstellen, wie sie sind. Er schreibt dabei auch gegen liebgewonnene Überzeugungen von Lesern", so der Chefredakteur. "Wenn die schwarz-gelbe Koalition einen erstklassigen Job machen würde, käme sie auch sicher bei uns besser weg."
Dem Vorwurf, dass der Spiegel das Politische immer häufiger gegen das Leichte und das Personalisierte eintauscht, widerspricht der 46-Jährige vehement. "Die These, dass der Spiegel auf den Boulevard geht, halte ich für falsch." Das gelte auch für den Onlineauftritt der Hamburger. "Im Netz spielen Boulevardelemente insgesamt eine größere Rolle. Aber im Zentrum der Berichterstattung von Spiegel Online stehen Politik und Wirtschaft", so Mascolo gegenüber dem journalist.
Georg Mascolo hält den Spiegel auch wirtschaftlich für gut aufgestellt. Die Annahme "vom ungebremsten Sinkflug der Gattung Print teile ich nicht". Die Auflage des Spiegels sei stabil, 2010 habe das Magazin in manchen Quartalen über dem Vorjahr gelegen. Gleichzeitig sei der Spiegel mit seiner digitalen Ausgabe erfolgreich. Im Jahresdurchschnitt 2011 habe sich diese "monatlich rund 22.000 Mal" verkauft.
Vom Umzug in das neue Haus am Hamburger Hafen verspricht sich der Spiegel-Chefredakteur ein Zusammenrücken der Verlagsbereiche. Die Redaktionen sollen aber weiterhin getrennt voneinander arbeiten. Die Vorstellung, dass ein gemeinsamer Newsdesk verschiedene Marken versorgt, lehnt Georg Mascolo ab. Der Umzug bedeute jedoch auch einen Schnitt. Das alte Spiegel-Gebäude an der Brandstwiete werde er vermissen, "die Tatsache, dass es ein Haus ist, in dem Rudolf Augstein noch gearbeitet hat. Diese Patina, diese Aura kann ein neues Haus nicht haben".
Das komplette Interview mit Georg Mascolo lesen Sie in der September-Ausgabe des journalists, die heute erscheint, und online unter: http://cot.ag/n1zaOy
Pressekontakt:
journalist - Das Medienmagazin Matthias Daniel Chefredaktion Telefon: +49(0) 228 20172-24 Fax: +49(0) 228 20172-33 journalist@journalist.de

