Mehr Arbeit, mehr Konferenzen, mehr Druck: Der Alltag in Deutschlands Redaktionen hat sich verändert
Remagen (ots) - Mehr als die Hälfte der Journalisten arbeitet heute länger als noch vor einigen Jahren und hat dabei weniger Zeit für die Recherche. So lautet eines der Ergebnisse einer Studie der Universität Münster, die das Medienmagazin journalist exklusiv in seiner August-Ausgabe vorstellt.
Zugenommen hat vor allem der Zeitaufwand für Konferenzen. 41 Prozent der 327 befragten Journalisten geben an, heute mehr Zeit in Kommunikation und Koordination stecken zu müssen. Fast die Hälfte sieht darin einen Verlust für die Qualität der journalistischen Arbeit. Bezogen auf die 15 untersuchten Nachrichtenredaktionen der Studie sind es die Fernsehjournalisten, die die meiste Zeit in Konferenzen verbringen - 13 Prozent ihres Arbeitstags.
Der wirtschaftliche Druck auf die Medienunternehmen wirkt sich nach Ansicht der Redaktionen konkret auf die journalistische Arbeit aus. Fast die Hälfte der Journalisten meint, dass es immer wichtiger wird, den Werbekunden ein passendes redaktionelles Umfeld zu liefern. Außerdem müssten aufgrund des Erfolgsdrucks unpopuläre, komplexe Themen oft leicht konsumierbaren weichen. Gut ein Drittel der Befragten gibt an, heute seine eigenen Interessen weniger in die Berichterstattung einzubringen als früher.
Auch die Qualitätskontrolle hat offenbar an Bedeutung eingebüßt. Ein Viertel der Befragten beklagt, dass das Gegenlesen an Stellenwert verloren habe, ein Drittel findet, dass weniger Zeit in die Gegenrecherche gesteckt wird. Fast 80 Prozent sehen darüber hinaus die Gefahr, dass sich Konkurrenzdruck und wirtschaftliche Zwänge vermehrt auf die Sorgfalt der eigenen Arbeit auswirken werden.
Das Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster untersuchte unter der Leitung von Bernd Blöbaum im Projekt "Wandel bei aktuellen Massenmedien: Journalismus in veränderten Medienkontexten" 15 Nachrichtenredaktionen - darunter Die Zeit, ARD-Tagesthemen, Bild und Spiegel. Die Ergebnisse resultieren aus einer Umfrage unter 327 Redakteuren, Redaktionsbeobachtungen und Experteninterviews.
Den ausführlichen Artikel zur Studie lesen Sie in der August-Ausgabe des Medienmagazins journalist. Außerdem: Kai Diekmann (Bild), Jörg Sadrozinski (tagesschau.de), Thomas Bug (WDR) und Reiner Metzger (taz) entwerfen ihre Visionen des Redaktionsalltags im Jahr 2019.
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