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"Die Telekom duckt sich weg." Capital-Chefredakteur Klaus Schweinsberg fordert im journalist-Interview eine öffentliche Entschuldigung des Unternehmens.

    Remagen (ots) - Erstmals nach Bekanntwerden der Telekom-Spitzelaffäre äußert sich Capital-Chefredakteur Klaus Schweinsberg ausführlich zur aktuellen Lage. Im Interview mit dem Medienmagazin journalist kritisiert er das Verhalten der Unternehmensspitze scharf. "Was wir derzeit nicht erleben, ist die von Telekom-Chef René Obermann angekündigte brutalstmögliche Aufklärung", so Schweinsberg. "Im Moment duckt sich die Telekom weg. Das ist nicht nur unkollegial, sondern auch in hohem Maße unprofessionell."

    Der Capital-Chefredakteur hatte die Telekom in einem Brief unter Fristsetzung aufgefordert, Auskunft über das Ausspionieren von Telefondaten eines Capital-Redakteurs sowie die Gerüchte über einen in die Redaktion eingeschleusten Maulwurf zu geben. Nach Verstreichen der Frist stellte der Verlag Gruner+Jahr Strafanzeige. Schweinsberg gegenüber dem journalist: "Nach eigenen Angaben klärt die Telekom ja schon seit vergangenem Sommer auf - irgendwann ist es dann mal gut. Wir lassen uns nicht dauerhaft veräppeln." Für den Fall, dass sich die Telekom weiterhin weigert, die verlangten Informationen herauszugeben, kündigt Klaus Schweinsberg weitere Schritte an: "Es gibt schon noch ein paar Dinge, mit denen wir den Fortgang verschärfen können, etwa mit Blick auf einklagbare Auskunfts- und strafbewehrte Unterlassungsansprüche. Und dann redet man auch irgendwann mal über Geld."

    Persönlich enttäuscht zeigt sich Klaus Schweinsberg vom Verhalten René Obermanns. Es habe erst einer Anregung der Capital-Redaktion bedurft, bis sich Obermann bei dem betroffenen Journalisten entschuldigt habe. Auf eine öffentliche Entschuldigung warte die Redaktion noch immer. "In den vergangenen Jahren haben ja die sogenannten CEOs und Vorstandsvorsitzenden nichts ausgelassen, die Aufmerksamkeit - was ihr Unternehmen anbelangt - auf ihre Person zu lenken", so Schweinsberg. "Dann müssen sie in so einem Fall aber auch den Rücken gerade machen und sagen: Ich übernehme die Verantwortung und entschuldige mich auch im Namen des Unternehmens. Und das öffentlich."

    Bei den Führungspersonen sieht der Capital-Chef auch einen Grund dafür, dass das Verhältnis zwischen Unternehmen und Journalisten zunehmend schlechter werde. "Die Souveränität der Vorstandsvorsitzenden hat abgenommen. Immer häufiger gibt es diesen einen Mann an der Spitze. Im Fall des Erfolgs ist er es dann auch, der alles geschafft hat. Bei den kritischen Themen sind die Herren dann meistens etwas schmallippiger." Kritik werde in diesen Kreisen häufig als Majestätsbeleidigung aufgefasst. "Den Vorstandschefs und CEOs muss man klar machen, dass es in der Wirtschaftswelt genausowenig wie im Straßenverkehr in Deutschland Selbstjustiz gibt."

    Das gesamte Interview lesen Sie in der Juli-Ausgabe des Medienmagazins journalist, die am Dienstag erscheint. Diese Vorabinformation ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei.

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