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EFI-Jahresgutachten 2015: Chancen von MOOCs mutiger nutzen

Berlin (ots) - Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) fordert eine mutigere Nutzung und Unterstützung von MOOCs (Massive Open Online Courses) an deutschen Hochschulen. Die Investitionen in MOOCs sollen aber nicht zulasten der regulären Lehrbudgets gehen.

In Deutschland wird seit 2013 eine lebhafte Diskussion um die Risiken, selten jedoch um die Chancen von MOOCs geführt. Dabei spielen MOOCs an deutschen Hochschulen bisher nur eine untergeordnete Rolle. Gerade einmal ein Sechstel der deutschen Hochschulen hat bereits MOOCs angeboten und nur ein weiteres Sechstel beabsichtigt, dies zukünftig zu tun, heißt es im aktuellen EFI-Jahresgutachten.

Nach Ansicht der Expertenkommission sollten MOOCs stärker als Chance für den Bildungsstandort Deutschland wahrgenommen werden, weil sie eine "wichtige und sinnvolle Ergänzung des Lehr- und Forschungsinstrumentariums der Hochschulen" darstellen. MOOCs können die Hochschulen von der Vermittlung von Standardwissen entlasten und damit Freiräume für mehr forschungsnahe Lehre schaffen: So können sich gerade Universitäten dem Humboldtschen Ideal wieder stärker annähern. Für kleinere Hochschulen eröffnet die Nutzung externer MOOCs Chancen zur Verbesserung des Studienangebotes. Hervorragend gemachte MOOCs entfalten außerdem positive Reputationswirkungen für die anbietenden Hochschulen genauso wie für den gesamten Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland. MOOCs können Studierenden die Organisation des Studiums erleichtern. Zudem können MOOCs Schüler und bereits im Arbeitsleben stehende Zielgruppen besser erreichen und damit lebenslanges Lernen unterstützen.

Die schon heute festzustellenden vielfältigen Motive der unterschiedlichen Teilnehmer von MOOCs relativieren auch die meist sehr kritisch geführte Diskussion um geringe MOOC-Abschlussquoten. Oft geht es MOOC-Teilnehmern von Anfang an nicht um den Erwerb eines Kurszertifikats, sondern z.B. um eine Orientierung für die Studienfachwahl oder um das Erlernen der deutschen Fachsprache. Für solche Teilnehmer stellt eine vorzeitige Beendigung eines MOOC-Kurses keinen Misserfolg dar.

Nicht für jede Hochschule wird es nach Ansicht der Expertenkommission sinnvoll sein, eigene MOOCs zu erstellen. Allerdings sollten sich alle Hochschulen intensiv mit neuen Kombinationen von Lern- und Unterrichtsformen wie MOOCs, Blended Learning oder Flipped Classroom auseinandersetzen. Damit das weltweit schnell wachsende MOOC-Angebot für eine systematische Verbesserung des Studienangebots genutzt werden kann, sollten Fragen der Anrechenbarkeit von MOOCs für reguläre Studienabschlüsse geklärt werden.

Die Politik sollte den Ausbau der MOOCs positiv begleiten und dort finanziell fördern, wo Qualitätsverbesserungen die höheren Ausgaben rechtfertigen. Kostspielige Duplizierungen von MOOC-Plattformen sollten vermieden, Open Source-Infrastrukturen bevorzugt und Inhalte möglichst frei verfügbar gemacht werden. Die für die Hochschulfinanzierung zuständigen Ministerien sollten den Einsatz von MOOCs nicht als Rechtfertigung dafür heranziehen, Hochschulen finanzielle Mittel für die Lehre zu entziehen. "Möglicherweise entstehende finanzielle Freiräume müssen den Hochschulen für die längst überfällige Verbesserung der Lehre belassen werden", schreiben die Experten.

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) leistet wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung und legt regelmäßig Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Wesentliche Aufgabe der EFI ist es dabei, die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich zu analysieren und die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland zu bewerten. Auf dieser Basis entwickelt die EFI Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik.

Pressekontakt:

Dr. Helge Dauchert
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