Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.

Offener Brief an Herrn Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frau Bundesministerin Renate Künast

    Frankfurt am Main (ots) -
    
    Verhüten ist besser als Töten
    Das Töten von 400.000 Rindern mit dem Ziel der
Schlachtkörperbeseitigung und die Tötung neugeborener Kälber
widerspricht geltendem Tierschutzrecht
    
    Nach dem Deutschen Tierschutzrecht dürfen Tiere nur aus
vernünftigen Gründen getötet werden. Das Töten und Beseitigen von
400.000 Rindern und die aufgrund des Brüsseler Vorschlages zu
erwartende Tötungsaktion von neugeborenen männlichen Kälbern (sog.
Herodestötung) geschieht einzig und allein als
Marktentlastungsmaßnahme. Wirtschaftliche Erwägungen sind jedoch im
Sinn des Tierschutzgesetzes kein vernünftiger Grund für eine
Massentötung und Vernichtung von Tieren.
    
    Der Bundesverband Praktischer Tierärzte e.V. (BPT) fordert daher:
    
    1. die sofortige Rücknahme entsprechender Entscheidungen bzw. die
Nichtumsetzung europäischer Entscheidungen.
    
    2. die sofortige Umsetzung folgender zwei Maßnahmen, die zur
    langfristigen Entlastung des Rindfleischmarktes, zur Einhaltung
des Tierschutzgesetzes und zur Schonung der natürlichen Ressourcen
beitragen können:
    
    * eine sofort einzuleitende einfache Tierzuchtmaßnahme: die
zeitweise Aussetzung der Besamung.
    
    Die Verlängerung der Rastzeit (Zeitraum von Geburt bis zur ersten
Belegung der weiblichen Zuchttiere) um mehrere Monate führt dazu,
dass mit einer zeitlichen Verzögerung von einem bis zwei Jahren die
Rindfleischerzeugung merklich abnimmt. Die Deutlichkeit dieses
Effektes ist direkt abhängig von der Länge der Rastzeit. Die
Verlängerung der Rastzeit beispielsweise um drei Monate kann dazu
führen, dass neun Monate später bis zu einem Viertel weniger Kälber
pro Jahr geboren werden. Weniger männliche und weibliche Kälber haben
einen entscheidenden langfristigen Einfluss auf das Fleisch- und
Milchangebot.
    
    Diese tierzüchterische Maßnahme kann nur als eine freiwillige
Leistung der Rinderzüchter umgesetzt werden. Sie sollten für eine
freiwillige Verlängerung der Rastzeit und den dadurch entstehenden
Milchverlust finanziell entschädigt werden. Die Rinderdatenbank
stellt dabei ein wirksames Kontrollinstrument dar. Es ist allemal
sinnvoller Rinder erst nicht in die Welt zu setzen, als sie später
sinnlos zu töten.
    
    * die sofortige, nachhaltige Förderung des Marktes für
Milchkalbfleisch.
    
    Die Schlachtung von Kälbern mit 140 bis 160 kg verhindert die
Ausmästung der Bullen. Hunderttausende Tonnen Bullenfleisches würde
so gar nicht erst erzeugt werden. Rechtfertigen läßt sich dieser
Vorschlag und auch die notwendigen finanziellen Unterstützungen der
Landwirte nicht zuletzt dadurch, dass diese Maßnahme ein wichtiger
Schritt in die Richtung des vorbeugenden gesundheitlichen
Verbraucherschutzes darstellt. Es ist kaum zu erwarten, dass Kälber,
die nur mit reiner Kuhmilch ernährt wurden, eine BSE-Belastung für
den Konsumenten darstellt. Damit kann auch Verbrauchervertrauen in
Rindfleisch zurückgewonnen werden.
    
    Der BPT ist sich bewusst, dass die Finanzierung dieser beiden
vorgeschlagenen Maßnahmen nur durch eine Umschichtung von
Agrarsubventionen zu erreichen sein wird und fordert daher die
Bundesregierung auf, diese Überlegungen in ihre weiteren
Entscheidungen zu den Folgewirkungen der BSE-Krise einzubeziehen.
    
    Nach Auffassung des BPT verlangt die weitgehende Harmonisierung
der EG-Agrarpolitik und des bestehenden europaweiten Binnenmarktes
die Umsetzung dieser Forderungen auch und gerade auf europäischer
Ebene.
    
    
ots Originaltext: Bundesverband Praktischer Tierärzte e.V.
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de

Ansprechpartner heute bis 16.00 Uhr in der BPT-Geschäftsstelle unter
T.: 0 69 / 66 98 18-0, danach: Verbandspräsident Dr. Karlheinz Simon
(T.: 08272/2546 u. 0175/9338075), Vizepräsident Dr. Heinrich
Grußendorf (T.: 05461/9410-0 u. 0170/5268186),
Präsidums-/Vorstandsmitglieder: Dr. Tobias Held (T.: 0171/9905677),
Dr. Burkhard Wendland (T.: 033766/62439), Dr. Katja Lohmann-Müller
(T.: 05903/282), Dr. Friedrich Marx T.: 0661/68588, Dr. Karl Henning
T.: 0385/2000686, Dr. Josefine Starke T.: 02826/5465, Dr. Bernhard
Alscher T.: 06782/99440, Dr. Barbara Strohbach T.: 03421/904037, Dr.
Eberhard Dähne T.: 034924/120260, Dr. Kurt Burdinski T.:
04543/899000, Dr. Karl-Ernst Grau T.: 02526/950446.

Original-Content von: Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V., übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.

Das könnte Sie auch interessieren: