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"Die Bauchkugel ist der Gral unserer Zeit"
Der Kulturwandel der Schwangerschaft: Interview mit Prof. Daniel Hornuff in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift ELTERN

Hamburg (ots) - Es gab Epochen, in denen galt eine Schwangerschaft als Geschwulst. Heute wird sie - nackt oder in hautengen Kleidern - glanzvoll inszeniert. Die Zeitschrift ELTERN hat über diesen folgenreichen Kulturwandel für ihre aktuelle Ausgabe (ab heute im Handel) mit Daniel Hornuff gesprochen; er ist Professor für Medientheorie in Karlsruhe.

Daniel Hornuff auf die Frage, weshalb heute Kleider für viele Schwangere nicht hauteng genug sein können: "Diese Kleider sind für Frauen gedacht, die ihre Schwangerschaft als Möglichkeit der Selbstgestaltung definieren. Sie wollen zeigen, dass sie selbst in einer so extremen physischen Ausnahmephase wie der Schwangerschaft ihren Körper unter Kontrolle halten können. Nur die Kugel wölbt sich aus, der Rest folgt weiterhin dem Schlankheitsgebot. Ihr Signal lautet: Seht her, ich bleibe selbst dann zu 100 Prozent diszipliniert, wenn sich mein Körper völlig undiszipliniert gibt!"

... über Heidi Klum: "Bei ihr erscheint jede Schwangerschaft als ultimativer Leistungsnachweis: Sie wird Mutter und bleibt durchgehend Model. Man könnte sie auch die Königin des After-Baby-Body nennen: Klum tut alles, um postnatal so auszusehen, als wäre nie etwas gewesen. Sie weiß ihre Schwangerschaften auf das bloße Ausdehnen ihres Bauchbereichs einzuschränken. Und diese Ausbuchtung wird dann einfach wieder zurückgefahren und auf straff gestellt."

... dazu, weshalb es in den 70er- und 80er-Jahren kaum Fotos von schwangeren Hollywood-Stars gab: "Der Gedanke, dass eine Schwangerschaft ein körperliches Gebrechen darstellt, war damals noch sehr beherrschend. Der Wendepunkt war Annie Leibovitz' berühmtes Foto der nackten, schwangeren Demi Moore. Mit dem Tag der Veröffentlichung galt die Inszenierung von Leibovitz als Politikum, als ultimatives Bekenntnis weiblicher Autonomie."

... auf die Frage, ob es sich nicht widerspricht, dass wir heute auf runde Babybäuche fixiert sind, gleichzeitig aber dynamisch, schlank und fit aussehen wollen: "Nein - zum einen leben wir tatsächlich in einer Gesellschaft des totalen Selbstdesigns. Wir gestalten alles, vom Fingernagel bis zum Vorgarten. Der Kugelbauch reiht sich nahtlos ein. Auch er ist inzwischen ein Design-Element unserer selbst. Aber er ist mit einem einmaligen Vorzug ausgestattet: Er ist bewohnt! In ihm bildet sich Leben, formt sich Zukunft. Umso verständlicher also, warum sich so viele Energien auf ihn konzentrieren. Die Bauchkugel einer Schwangeren ist der Gral unserer modernen Gesellschaft."

Das ganze Interview mit Daniel Hornuff ab 11. März in ELTERN.

Pressekontakt:

Isabelle Haesler
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